karawankengrenze.at

 

Dokument 85  >

Aufzeichnung des Auswärtigen Amtes über die Unterredung zwischen Hitler und Pavelič am 6. Juni 1941[1]

1
PA AA Bonn, Handakten Paul Schmidt (Dolmetscher): Aufzeichnungen, Bd. 2; Mf. aus NAW, T-120, R-66, Aufn. 46809-19; ADAP, D XII/2, Dok. 603. (11 S.).
2
Der Poglavnik des sog. Unabhängigen Staates Kroatien wurde begleitet vom deutschen Gesandten Siegfried Kasche, Staatssekretär für äussere Angelegenheiten Dr. Mladen Lorković, Oberst Ivan Babić u. a. (Siehe Fotoaufnahme im Werke von Andreas Hillgruber: Staatsmänner und Diplomaten bei Hitler, Frankfurt am Main 1967, Bildtafel 13. In diesem Werke ist auch der Text der Unterredung veröffentlicht (Dok. 80, Seite 574-580). Der Gesandte Kasche hatte am 5. Juni 1941 in Zagreb einen »Vermerk für den Herrn Reichsaussenminister betreffend Kroatien« vorbereitet, in dem er auch die Frage der Slowenen- und Serbenaussiedlung behandelte: »6. Für Umsiedlung der Slowenen aus Steiermark und Krain nach Kroatien bezw. Serbien und entsprechend Aussiedlung von Serben aus Kroatien nach Serbien ist in Besprechung vom 4. Juni Einvernehmen erzielt worden. Kroaten siedeln 30.000 Serben mehr nach Serbien aus, als sie aus dem Deutschen Reich Slowenen hereinnehmen. Vertragsentwurf lege ich heute vor. In diesem meine Stellung als Schiedsrichter vorgesehen.« (PA AA Bonn, Deutsche Gesandtschaft in Zagreb, Paket 54, Pol. 1, Nr. 2. Umsiedlung von Slowenen..., E 66885-6).
3
Am 6. Juni 1941 hatte Pavelič eine Unterredung mit dem Reichsaussenminister Joachim von Ribbentrop in Fuschl. Sie sprachen auch über die Aussiedlung von Slowenen, was der Dolmetscher Paul Schmidt in seiner Aufzeichnung so registrierte: »Auf eine Bemerkung des RAM, dass Kroatien eine Minderheit von 1 œ Millionen Serben erhalten würde, erwiderte Pawelitsch, dass die Frage der serbischen Minderheit vor 60 bis 70 Jahren noch nicht existiert habe. Erst durch ihren Übertritt in die serbischorthodoxe Kirche seien diese Bevölkerungsteile fälschlich zu Serben gemacht worden. Im übrigen würde Kroatien gern Serben aus seinem (Staate) abgeben und dafür Slowenen aufnehmen, wie dies ihm auch von deutscher Seite angeregt worden sei. Der RAM stimmte hier zu. Pawelitsch erklärte fortführend dass sobald die Slowenen kämen, die Serben abgeschoben werden würden.« (PA AA Bonn, Handakten Paul Schmidt (Dolmetscher): Aufzeichnungen, Bd. 2; Mf. aus NAW, T-120, R-66, Aufn. 46795808).

Berlin, den 9. 6. 1941

AUFZEICHNUNG ÜBER DIE UNTERREDUNG ZWISCHEN DEM FÜHRER
UND DEM KROATISCHEN STAATSFÜHRER DR. PAVELIČ
IN ANWESENHEIT DES REICHSMARSCHALLS GÖRING,
DES RAM, DES GENERALS BODENSCHATZ UND DES
GESANDTEN HEWEL AM 7. [6.] 6. 1941[2]

Der Führer kam in diesem Zusammenhang auf die Umsiedlungspläne zu sprechen, auf Grund deren Slowenen nach Kroatien umgesiedelt und dafür Serben nach Altserbien abgeschoben werden sollten. Derartige Umsiedlungen seien selbstverständlich im Augenblick schmerzlich, aber sie seien besser als dauerndes Leid. Deutschland mute jedenfalls niemanden etwas zu, was es nicht auch selbst täte. Er habe selbst seine Volksangehörigen aus Gebieten umgesiedelt, in denen diese schon seit 3-400 Jahren ansässig gewesen seien. Einmal müsse ein solcher Schnitt, eine Flurbereinigung, erfolgen, die sicherlich im Augenblick schmerzlich sei, aber bereits für die Kinder der Umgesiedelten grosse Vorteile mit sich brächte.

Im übrigen müsse, wenn der kroatische Staat ganz solide sein solle, 50 Jahre lang eine national intolerante Politik betrieben werden, weil aus einer übergrossen Toleranz in diesen Dingen lediglich Schaden entstünde.[3]

gez. SCHMIDT

1
PA AA Bonn, Handakten Paul Schmidt (Dolmetscher): Aufzeichnungen, Bd. 2; Mf. aus NAW, T-120, R-66, Aufn. 46809-19; ADAP, D XII/2, Dok. 603. (11 S.).
2
Der Poglavnik des sog. Unabhängigen Staates Kroatien wurde begleitet vom deutschen Gesandten Siegfried Kasche, Staatssekretär für äussere Angelegenheiten Dr. Mladen Lorković, Oberst Ivan Babić u. a. (Siehe Fotoaufnahme im Werke von Andreas Hillgruber: Staatsmänner und Diplomaten bei Hitler, Frankfurt am Main 1967, Bildtafel 13. In diesem Werke ist auch der Text der Unterredung veröffentlicht (Dok. 80, Seite 574-580). Der Gesandte Kasche hatte am 5. Juni 1941 in Zagreb einen »Vermerk für den Herrn Reichsaussenminister betreffend Kroatien« vorbereitet, in dem er auch die Frage der Slowenen- und Serbenaussiedlung behandelte: »6. Für Umsiedlung der Slowenen aus Steiermark und Krain nach Kroatien bezw. Serbien und entsprechend Aussiedlung von Serben aus Kroatien nach Serbien ist in Besprechung vom 4. Juni Einvernehmen erzielt worden. Kroaten siedeln 30.000 Serben mehr nach Serbien aus, als sie aus dem Deutschen Reich Slowenen hereinnehmen. Vertragsentwurf lege ich heute vor. In diesem meine Stellung als Schiedsrichter vorgesehen.« (PA AA Bonn, Deutsche Gesandtschaft in Zagreb, Paket 54, Pol. 1, Nr. 2. Umsiedlung von Slowenen..., E 66885-6).
3
Am 6. Juni 1941 hatte Pavelič eine Unterredung mit dem Reichsaussenminister Joachim von Ribbentrop in Fuschl. Sie sprachen auch über die Aussiedlung von Slowenen, was der Dolmetscher Paul Schmidt in seiner Aufzeichnung so registrierte: »Auf eine Bemerkung des RAM, dass Kroatien eine Minderheit von 1 œ Millionen Serben erhalten würde, erwiderte Pawelitsch, dass die Frage der serbischen Minderheit vor 60 bis 70 Jahren noch nicht existiert habe. Erst durch ihren Übertritt in die serbischorthodoxe Kirche seien diese Bevölkerungsteile fälschlich zu Serben gemacht worden. Im übrigen würde Kroatien gern Serben aus seinem (Staate) abgeben und dafür Slowenen aufnehmen, wie dies ihm auch von deutscher Seite angeregt worden sei. Der RAM stimmte hier zu. Pawelitsch erklärte fortführend dass sobald die Slowenen kämen, die Serben abgeschoben werden würden.« (PA AA Bonn, Handakten Paul Schmidt (Dolmetscher): Aufzeichnungen, Bd. 2; Mf. aus NAW, T-120, R-66, Aufn. 46795808).

Valid XHTML 1.0 Transitional