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Dokument 88  >

Bericht der Kroatischen Delegation beim Umsiedlungsstab Untersteiermark über die Organisation der Aussiedlung von Slowenen[1]

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AMNOM, Kroatische Delegation, Bd. 1, (5 S.).
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Siehe Dok. Nr. 86.
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Diese zwei Schlösser wurden nicht als Umsiedlungslager benützt.
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Siehe Dok. Nr. 69.
5
Siehe Dok. Nr. 131.
6
Oberstleutnant Franjo v. Ferrant.
7
Kapitän Ante Matasič. Siehe Dok. Nr. 81, Anm. 7.

O R G A N I S A T I O N
der Slowenen - Umsiedlung

Die Organisation für die Umsiedlung der Slowenen aus der Süd-Steiermark nach Serbien, resp. Kroatien ist gegenwärtig im folgenden Stadium:

»I. Welle«

Die Vorbereitungen für diese Umsiedlung von ungefähr 5 000 Slowenen nach Serbien sind beendet. Der erste Transport ist am 7. Juni 1941 ab Windisch--Feistritz,[2] der zweite am 10. 6. 1941 ab Marburg, jeder mit 300 Personen incl. Kindern, abgerollt. Geistliche wurden noch nicht abtransportiert.

Die Sammlung zum Abtransport erfolgt in Marburg/Dr. in Lager Landwehr-Kaserne-Melling, wo etwa 3 000 Personen untergebracht werden können. Die ab Reichenburg abgehenden Transporte haben in Trapisten - Kloster Lagermöglichkeit für etwa 2--3 000 Personen, weiter im Schloss Rann und Schloss Mokrice[3] je 1 000 Person.

Den Transporten wird als Begleitpersonal eine Wache von 1 Uoffz. und 8 Mann der Schutzpolizei Marburg/Dr. beigegeben, welche diese bis zur Endstation sichert. Ausserdem wird von den Aussiedelnden, je nach Vorhandensein, 1 oder mehrere Aerzte für den Sanitätsdienst bestimmt.

Eine Übersicht über alle in einem Transport befindlichen Personen - nach beiliegendem Formular - wird dem Transportführer zwecks Übergabe an der Endstation mitgegeben. Das zweite Exemplar hiervon verbleibt beim Umsiedlungsstab und das dritte Exemplar erhält der Beauftragte für die Festigung des deutschen Volkstums beim Reichsstatthalteramt.

Ausser dem in den verschiedenen Stationen Kroatiens vorgesehenen Trinkund Verköstigungsversorgen, erhält jeder Transport an der Ausgangsstation an Reserveproviant eingeladen:

Fleischkonserven
Konservenmilch für Kinder und
Brot für 4 Tage.

Ausserdem sind von den Evakuierten selbst pro Kopf für 8 -14 Tage Lebensmittel mitzubringen.[4]

An Geistlichen werden für den Abtransport in Betracht kommen und zwar aus der Gegend Marburg/Dr., Cilli und Tüffer insgesamt

147 Weltpriester mit 33 Anverwandten und
56 Ordensbrüder

während die Angaben für den Rest der Geistlichkeit aus den übrigen Gebieten - etwa 100 -120 Personen - in der nächsten Woche verfügbar sein dürften. Über die politische Einstellung der einzelnen Priester liegen keine Angaben vor, jedoch wurden die besonders Belasteten, inwieweit dieselben nicht flüchteten, bereits ins Reich versetzt.

»II. Welle«

Die Umsiedlung dieser 25 000 Personen nach Kroatien erfolgt in der Zeit von 10. VII.-30. VIII. 1941.[5] Die Sammlung der Unterlagen hierfür wurde von 6 Kommissionen besorgt, die in Karteikarten niedergelegt wurden. Der Umsiedlungsstab in Marburg/Dr. verarbeitet die Eintragungen dieser Karteikarten weiter und fertigt 2 Kopien derselben an. Die Karteikarten enthalten alle wissenswerten Angaben über die für die Umsiedlung in Betracht kommenden Personen und bilden dieselben die Grundlage für die endgültige Entscheidung. - Muster liegt bei. - Die weisse Karteikarte, welche von den Kommissionen angelegt wird, bleibt im Umsiedlungsstab. Eine Abschrift wird von den Vollzugsorganen der Evakuierung verwendet, während die 2. Abschrift beim Beauftragten für die Festigung deutschen Volkstums im Reichsstatthalteramt Verwendung findet, welchem die weitere Behandlung des von den Umsiedlern zurückgelassenen beweglichen und unbeweglichen Vermögens obliegt. Von hier aus erfolgt auch die Bereitstellung der volksdeutschen Umsiedler.

Die Führung dieser Karteikarten stellt eine der wichtigsten Tätigkeiten der ganzen Umsiedlungsaktion vor, sie erfordert zwar anfangs einen grösseren Arbeitsapparat, trägt aber wesentlich dazu bei, dass diese Aktion durchlaufend geordnet durchgeführt wird, wodurch späterhin allen schwierigen Nachforschungen vorgebeugt werden kann. Ist das Karteikartensystem schon für die Aussiedlung von unvergleichlichem Vorteil, so ist es für die Einsiedlung von noch grösserer Bedeutung, da hier durch die Einsiedler sogleich nach ihrem Eintreffen planmässig den neuen Beschäftigungen zugeführt werden können.

Namentlich wird die zweckmässige Eingliederung in jene Gruppen erleichtert, für welche eine besondere Aufnahmemöglichkeit von Einsiedlern besteht wie: Gendarmerie, Polizei, Finanz, Zoll, Eisenbahn und Strassenbau.

Bei der Umsiedlung von Handwerkern ist besonders darauf zu sehen, dass diesen die Mitnahme der ihnen gehörenden Werkzeuge ermöglicht wird, damit sie in dieser Hinsicht keinerlei Verzögerungen in der Arbeitsaufnahme erleiden.

Die Anfertigung dieser Karteikarten wird mit Rücksicht auf den Umfang der Arbeit, die damit verbunden ist, in Marburg/Dr. selbst nicht möglich sein, sondern ist in der Weise gedacht, dass der Umsiedlungsstab in Marburg/Dr. seine jeweilig fertiggestellten Karteikarten kurzfristig Zagreb zur Verfügung stellt, wo die erforderlichen Daten entnommen werden können.

Um einen ungefähren Anhaltspunkt über den Umfang dieser Arbeit zu erhalten sei angeführt, dass beim Umsiedlungsstab gegenwärtig annähernd 30 Personen an der Karteikartenarbeit beschäftigt sind. Bezüglich Einzelheiten der Karteikarte sei angeführt: die im Umsiedlungsstab angefertigten Karteikarten sind alle weiss gefärbt, die Kopien hingegen sind zur leichteren Kenntlichmachung der Nationalität in verschiedenen Farben gehalten. Für Slowenen sind dieselben grün, für Volksdeutsche rot, für Steirer »Windische« - blau, für alle übrigen Nationen blau.

Von den einzelnen Anschriften der Karteikarte bedeuten:

Sprache: - U:Umgangssprache
Sonst.:übrige Sprachkenntnisse
Volkstumszug.:Volkstumszugehörigkeit

wobei man unter Slowenen jene versteht, die keinerlei geistige Zusammengehörigkeit zum Deutschtum besitzen, auch nicht aus früherer Zeit, während man unter Steirer »Windisch« jene Bewohner umfasst, die doch teils aus der Nähe, teils aus früheren Verbindungen mit dem Reich irgendeine Einstellung zum Deutschtum besitzen.

Die politische Beurteilung wird in 5 Gruppen eingeteilt und mit laufenden Ziffern - 1 bis 5 bezeichnet.

  1. deutsch - aktiv tätig
  2. Anhänger der Gruppe 1 ohne besonderes politisches Hervortreten
  3. politisch indifferent
  4. Anhänger der Gruppe 5
  5. besonderes deutschfeindliches Verhalten

Entscheidung:

S = evakuieren
KR = Kroate, hier bleibt die Entscheidung offen.

Die Anlage der Karteikarten für die »Welle II« wird bis Ende Juni beim Umsiedlungsstab beendet sein.

»III. Welle«

Auch hier sind die Vorbereitungen zur Erfassung der erforderlichen Daten durch die 6 Kommissionen des Umsiedlungsstabes in Marburg/Dr. beendet und die weissen Karteikarten fertiggestellt, während die Abschrift derselben bereits zur Hälfte gediehen ist. Bei dieser Welle wird in den Karteikarten seitens des Umsiedlungsstabes eine zusätzliche Bemerkung über den Wert des Besitzes, den der Umsiedler verlässt, aufgenommen werden.

Ferrant[6]
Matasiè[7]

Marburg/Dr., den 12. Juni 1941

1
AMNOM, Kroatische Delegation, Bd. 1, (5 S.).
2
Siehe Dok. Nr. 86.
3
Diese zwei Schlösser wurden nicht als Umsiedlungslager benützt.
4
Siehe Dok. Nr. 69.
5
Siehe Dok. Nr. 131.
6
Oberstleutnant Franjo v. Ferrant.
7
Kapitän Ante Matasič. Siehe Dok. Nr. 81, Anm. 7.

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