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Dokument 67  >

Denkschrift der Dienststelle des Beauftragten des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains über die Germanisierung[1]

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DZA Potsdam, REM, Bd. WE 2939/41. Die Denkschrift befindet sich im Aktenband über die Gründung des Instituts für Kärntens Landesforschung in Klagenfurt. Sie wird als Anlage zum Dok. Nr. 148 erwähnt.
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Dieser Vorschlag unterscheidet sich von den ursprünglich eingeschlagenen Wege für eine schnelle und auf der Massenvertreibung von Slowenen begründete Germanisierung der besetzten Gebieten Kärntens und Krains. Siehe Dok. Nr. 148, 208 u. 323.
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Dr. Karl Starzacher, Stabsführer der Dienststelle des Beauftragten des RKFDV und der Beauftragte des Chefs der Zivilverwaltung in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains für Archive, Bibliotheken und Museen.

Abschrift/1

Veldes, am 22. Mai 1941

Denkschrift über die Wege, die besetzten Gebiete Kärntens kulturell und völkisch in den Altgau Kärnten und das Reich einzugliedern.

Lage des Problems:

Durch die vom Reich ursprünglich gar nicht gewollte Zerschlagung des südslawischen Staates kam ein Teil des slowenischen Draubanat und zwar die alte Landschaft Oberkrain zum Gau Kärnten. Kärnten erhielt damit die Aufgabe, ein ausschliesslich slowenisch besiedeltes Gebiet mit über 180.000 Menschen, in dem sich nur ganz wenige einsatzfähige Volksdeutsche befinden, dem Altgau Kärnten und damit dem Reiche zuzuführen. Über diese Aufgabe steht der Auftrag des Führers, dieses Land deutsch zu machen.

Die Durchführung dieses Auftrages steht in folgendem Gesamtrahmen: Das geistige Zentrum der slowenischen Nationalideen und Ansprüche mit einem ansehnlichen Teil des Draubanats ist zu Italien gekommen, die ihr Gebiet in der Provinz »Laibach« zusammengefasst haben. Sie haben diesem Gebiet, das sie damit am einfachsten in ihren Herrschaftsbereich eingegliedert haben, eine Autonomie gegeben. Sie haben damit den nationalslowenischen Ideen, die in der Universität und in der slowenischen Akademie der Wissenschaften einerseits und in der Person der katholischen Bischofs von Laibach anderseits ihre Verkörperung finden, einen neuen Rahmen gegeben. Die Tatsache, dass unter Italien die neu hinzugekommenen 600.000 Slowenen jetzt mit den etwa 4-500.000 Slowenen der Provinz Görz zusammengekommen sind, führt zu dem Schluss, dass die nationalslowenische Idee wieder einen recht tragbaren Untergrund und gewisse Entwicklungsmöglichkeiten hat. Jedenfalls ist durch die italienische Lösung die slowenische Frage nicht endgültig gelöst, sowohl der Staat Italien als noch mehr die Kirche tragen in ihrer Haltung zur Förderung der slowenischen Wiederaufbauarbeit bei.

Italien hat weiter durch die Schaffung des Königreiches Kroatien seinen unbedingten Einfluss auf das kroatische Gebiet gesichert. Die Slowenen in den vom Reich gewonnenen Gebieten mit Ausnahme der Windischen der Untersteiermark, die durch vielhundert kulturelle Bande bereits enger an den deutschen Kulturkreis gebunden sind, können daher mit Recht neidisch auf die bessere Lage der Slowenen unter Italien blicken, wodurch zentrifugale Kräfte wirksam werden, die unserer Arbeit hinderlich und später auch gefährlich sein können.

Lösungsmöglichkeiten:

Lösung 1:

vollständige Aussiedlung des besetzten Gebietes und damit radikale Lösung der Frage Oberkrain, Diese Lösung ist aus folgenden Gründen unmöglich:

Die technischen Möglichkeiten einer derartig grossen Aussiedlung sind nicht gegeben, weil die Aufnahmemöglichkeiten Serbiens zu klein sind und dieses Gebiet ausserdem zu wenig entfernt ist. Der starke deutsche Blutsanteil der krainischen Bevölkerung und die rassische Hochwertigkeit des überwiegenden Teiles der Bevölkerung schliessen aus grundsätzlichen Erwägungen diese radikale Lösung aus.

Die wirtschaftliche Struktur des Gebietes, die Anlage der Siedlungen und der Volkscharakter überhaupt sind derart, dass die Lösung 1 nicht in Frage kommt.

Lösung 2:

Um das Gebiet deutsch zu machen, soll sämtliche Intelligenz, alle seit 1914 zugewanderten Familien, Bewohner eines 20 km breiten Grenzstreifens und alle Minderrassigen ausgesiedelt, zum Teil ins Altreich umgesiedelt werden.

Diese Lösung baut auf der Tatsache, dass alle rassisch minderwertigen Elemente und weiterhin alle durch ihre Intelligenz oder als Grenzbewohner gefährlichen Elemente entfernt werden sollen. In einer Entwicklung auf längere Sicht gesehen ist es selbstverständlich, dass die rassisch absolut minderwertigen Elemente unbedingt ausgemerzt werden müssen. Der Bestandteil an solchen minderrassigen Elementen ist verhältnismässig gering.

Die Ausweisung der Bevölkerung aus einem 20 km breiten Grenzstreifen würde praktisch die Aussiedlung fast des ganzen Gebietes bedeuten und umfasst ausserdem derart viele gutrassige Elemente, dass sie praktisch auch nicht durchgeführt werden kann. Die radikale Aussiedlung eines derart breiten Grenzstreifens würde ausserdem viele gesunde organische Ansatzmöglichkeiten zerstören, dass sie unter den gegebenen Umständen nicht gerechtfertigt ist.

Was die Aussiedlung der Intelligenz anlangt, so bedeutet deren Aussiedlung nach Serbien aus folgenden Gründen ein Gefahrenmoment: Die besonderen geistigen Fähigkeiten der slowenischen Intelligenz werden in Serbien maximal gegen das Reich angesetzt; da Serbien direkt an den italienischen Machtbereich grenzt und Italien ein Interesse hat, deutschfeindliche Bestrebungen in Oberkrain diskret zu fördern, da Italiens Anspruch auf weite Sicht die natürliche Karawankengrenze (zum Unterschied von der jetzigen in der Natur nicht ausgeprägten politischen Grenze) sein muss, besteht die Sicherheit, dass die von hier nach Serbien abgeschobene Intelligenz sehr bald vor den Grenzen des Reiches gegen das Reich arbeiten und dem Reiche schaden wird. Auf längere Sicht gesehen, werden die Grenzen des Reiches auch nicht hermetisch abgeschlossen werden können. Wenn man dagegen eine Umsiedlung der vorwiegend gutrassigen Intelligenz in das Altreich in Aussicht nimmt, so besteht neben einer andauernden polizeilichen Überwachung die Möglichkeit, diese Intelligenz in kürzerer Zeit zu neutralisieren, wenn sie materiell befriedigt und in ihre neue deutsche Umgebung eingelebt ist; ausserdem sind dem an Arbeitskräften so darbenden Reiche wertvolle und tüchtige Arbeitskräfte zugeführt. Eine andere Lösung der Frage der slowenischen Intelligenz wäre deren vollständige Vernichtung durch Erschiessung oder sonstige Beseitigung, die aber dadurch nicht zweckmässig ist, weil die Erfassung der tatsächlichen Intelligenz dem Apparate der Gestapo durch die schwierigen Erkundigungsverhältnisse nicht möglich ist und anderseits eine Vernichtung weder im Willen des Reichsführers-SS gelegen noch unter den augenblicklichen Verhältnissen tragbar ist. Damit wäre die deutsche Stellung gegenüber dem Südosten auf lange Zeit eine vollständig versiebte, die auch schwerlich Ansatzpunkte zu grundsätzlichen Mässigungen geben würde. Nachdem die Lösung 2 in ihrem Gesamtkomplex keine klaren Linien hat, ist sie vom Standpunkt einer organischen und auf Entwicklung gerichteten Lenkung nicht befriedigend.

Die Möglichkeit, das Land auf diese Weise deutsch machen zu können, kommt ebenfalls ins Ungewisse, da ein grosser Teil der Slowenen auf jeden Fall im Gebiete bleibt; dieser Teil der Slowenen wird durch die Behandlung seiner Volksgenossen im Willen, deutsch zu werden, in keiner Weise gestärkt, sondern nur abgestossen. Ausserdem kann bekanntlich ein Volkstum nicht in Jahren und Jahrzehnten, sondern bei vorsichtiger und kluger Arbeit nur in Generationen geändert werden. Die Umvolkung im oberkrainischen Gebiet ist auf jeden Fall möglich, da der deutsche Blutsanteil und die kulturellen Bindungen zum Deutschtum nur richtig aktiviert werden brauchen. Damit kommen wir zur

Lösung 3:

In zielbewusster Arbeit wird das neue Gebiet langsam eingedeutscht. Die Intelligenz wird dadurch zerschlagen, dass sie systematisch ins Altreich versetzt wird. Es wird versucht, den einfachen Mann, der ohne volkseigene Führung beeinflussbar ist, zu gewinnen und an unseren Staat heranzuführen. Die deutsche Schule und die deutsche Kultur beginnt das Werk der Verdeutschung, das ohnedies erst in Generationen zum Erfolg führen kann. Das Nahziel ist die Schaffung einer Mittelschicht, die sich zum Reich und zur engeren Landschaft Kärnten zugehörig fühlt. Diese Schicht macht den ganzen Schritt zum Deutschtum bereits leicht mit. Es muss im Wesen der gleiche systematische Umvolkungsprozess angesetzt worden, der im alten Kärnten dazu geführt hat, dass die Windischen in ihrer Schicksalsgemeinschaft mit den Deutschen den Abwehrkampf gekämpft haben, der es schliesslich heute den Steirern ermöglicht mit den Windischen der Untersteiermark, die im Wesen mit den Krainer Slowenen bis auf das Bekenntnis gleich geartet sind, Aufbauarbeit zu leisten. Ausserdem wird durch diese scheinbar milde aber umso zielbewusstere Lösung der Erfolg einer Eindeutschung viel eher sichergestellt als mit allen anderen Methoden, ausserdem gehen dem Reiche nicht alle möglichen Planungen in nahen Südosten durch Schaffung einer dauernden Kampfstimmung verloren. Kärnten hat durch die Art seiner Menschen und die Erfahrung seiner politischen Führerschicht in der Menschenführung grössere Assimilationsmöglichkeiten als irgend einer anderer Gau; es kann daher an die Lösung 3 mit der Überzeugung herangehen, sie zu der im Reichsinteresse optimalsten zu gestalten.[2]

An einem Einzelbeispiel ist leicht zu demonstrieren, dass im Unterschied zur Lösung 3 die Lösung 2 keine befriedigenden Ergebnisse bringt: nach Lösung 2 soll der Südstreifen des Landes der germanischeste Teil Kärntens werden; wer die Gegend um Littai kennt, die kaum grössere Äcker und Bauerngüter hat und in der auch keine grossen und erstrebenswerten Besitze geplant werden können, kann ohne weiteres zur logischen Folgerung kommen, dass wir in dieses Grenzgebiet niemals einen Oberkärntner Bauern bekommen werden. Er wird es sich überlegen, gerade in diese Gegend zu gehen. Damit gibt es nicht die Möglichkeit, dieses Land mit den germanischesten Menschen zu besiedeln, es sei denn, dass diese wo anders gefunden werden. Die Unmöglichkeit, die Ideallösungen auch praktisch durchzuführen zu können, lässt sich auch aus den verschiedensten anderen Beispielen darlegen.

Gang der Entwicklung:

Es muss gelingen, den führenden Stellen die Richtigkeit der drei Möglichkeiten vorzulegen und zur Diskussion zu stellen. Sollte die Lösung 3 zur Annahme kommen, so ist folgendes zu überlegen:

Alle Massnahmen sind, abgesehen von allen anderen Überlegungen, so zu treffen, dass in diesem Gebiet jene Menschen untergebracht werden können, die in diesen Gebieten untergebracht werden müssen:

Die Kärntner Neubauern, der Bevölkerungsüberschuss Kärntens, die Kanaltaler und die Grödnertaler; weiters kommen für die kärglichen Gebiete im Gebiet Littai die Fersentaler und Luserner in Betracht, die unter Zurücklassung ihres Besitzes aus der Provinz Trient auswandern müssen, dort aber unter den bescheidensten Verhältnissen gelebt haben und den Folgen einer übertriebenen Realteilung ihrer Besitzungen (die aber gutrassig sind).

Die zielbewusste Ansetzung dieser Siedler muss in jedem Falle zum Erfolg führen, da die unbedingt notwendige Aussiedlung von slowenischen Menschen, die durch deutsche ersetzt werden sollen, weniger Staub aufwirbeln wird, als die Aussiedlung ganzer Gebiete von vornherein.

gez. Dr. Starzacher[3]
(Stabsführer)

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DZA Potsdam, REM, Bd. WE 2939/41. Die Denkschrift befindet sich im Aktenband über die Gründung des Instituts für Kärntens Landesforschung in Klagenfurt. Sie wird als Anlage zum Dok. Nr. 148 erwähnt.
2
Dieser Vorschlag unterscheidet sich von den ursprünglich eingeschlagenen Wege für eine schnelle und auf der Massenvertreibung von Slowenen begründete Germanisierung der besetzten Gebieten Kärntens und Krains. Siehe Dok. Nr. 148, 208 u. 323.
3
Dr. Karl Starzacher, Stabsführer der Dienststelle des Beauftragten des RKFDV und der Beauftragte des Chefs der Zivilverwaltung in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains für Archive, Bibliotheken und Museen.

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