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Dokument 323

Aussage von Dr. Helmut Glaser über die Tätigkeit des Umsiedlungsstabes in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains[1]

1
Archiv RSNZ, Ljubljana, Smlg. H. Glaser, (24 S.). Dr. Helmut Glaser wurde von den Alliierten als Kriegsverbrecher an die jugoslawischen Behörden übergegeben. Im Gerichtsprozess gegen Dr. Friedrich Rainer und anderen im Juli 1947 wurde Dr. Glaser zum Tode verurteilt und die Todesstrafe wurde dann auch vollstreckt. Während der Untersuchungshaft hatte er seine Aussage über die Tätigkeit des Umsiedlungsstabes, dessen Stabsführer er war, schriftlich niedergelegt. Jede Seite des Originals ist vom ihn unterschrieben. Siehe auch seine Aussage bei der Gerichtsverhandlung in Ljubljana, veröffentlicht in Ljudska pravica 13. 7. 1947.
2
Dr. Martin Sandberger. Siehe Dok. Nr. 37.
3
Nicht SS-Oberführer Schöne, sondern SS-Oberführer Wilhelm Schröder.
4
Siehe Dok. Nr. 94.
5
Über die Richtlinien des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums für die Aussiedlung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains siehe Dok. Nr. 66 u. 100.
6
Siehe Dok. Nr. 68, 76, 79 u. 90.
7
Der Umsiedlungsstab war tatsächlich teilweise anders zusammengesetzt als von Dr. Glaser auf der Skizze dargestellt. Siehe Dok. Nr. 59.
8
Im Frühling 1941 war der SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Ulrich Greifelt Chef der Dienststelle des RKFDV in Berlin und zeichnete die Akten in Vertretung. Das Stabshauptamt des RKFDV, zu dessen Chef Greifelt ernannt wurde, ist erst im Sommer 1941 errichtet worden.
9
Siehe Dok. Nr. 71.
10
Chef der UWZ in Lodz war damals der SS-Obersturmbannführer Hermann Krummey. Dr. Sandberger war Leiter der EWZ in Lodz.
11
Bis zum 15. 5. 1941 war der Höhere SS- und Polizeiführer im Wehrkreis XVIII in (Alpenland) Salzburg der SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei Alfred Rodenbücher, dann bis zum 12. 12. 1941 der SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Dr. Gustav Adolf Scheel, seitdem bis zum Kriegsende der SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei Erwin Rösener.
12
Der SS-Oberführer Heinz Brunner war nicht Befehlshaber, sondern Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD im Wehrkreis XVIII in Salzburg.
13
Siehe Anmerkung 3.
14
Die Dienststelle des Kommandeurs der Sicherheitspolizei und des SD in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains in Bled (Veldes), geleitet vom SS-Obersturmbannführer Fritz Volkenborn, gliederte sich in drei Ämter: Geheime Staatspolizei (Gestapo), geführt vom SS-Sturmbannführer Dr. Hans Bauer, Kriminalpolizei (Kripo), geführt vom SS.Obersturmführer Kurt Koch, Sicherheitsdienst (SD), geführt vom SS-Hauptsturmführer Franz Pacher.
15
Siehe Anm. 7.
16
Die Bürgermeister beriefen mit einem einheitlichen Aufruf auf Plakaten die Bevölkerung ihrer Gemeinden zur Erfassung in dazu bestimmte Lokale. Vorhanden ist nur der Aufruf des Bürgermeisters der Gemeinde črni vrh bei Polhov gradec in der Bibliothek des Muzej ljudske revolucije Slovenije, Smlg. der Druckschriften des deutschen Okkupators.
17
Über die Berichte der Umsiedlungskommission siehe Dok. Nr. 25 u. 95.
18
Siehe Dok. Nr. 103 u. 104
19
Siehe Dok. Nr. 69.
20
SS-Hauptscharführer Werner Klügel.
21
Solche Berichte liegen nicht vor.
22
Siehe Dok. Nr. 66, 77, 91, 100, 104 u. 111.
23
Siehe Dok. Nr. 71.
24
Für jede Gemeinde in Gorenjsko (Oberkrain) ist eine Liste der Familien mit der Zahl von Personen und ihrer Bezeichnung als V, E, A, E-S, E-V, A-b, A-V Fälle, zusammen 6.914 Familien mit 19.564 Personen vorhanden. Die Listen befinden sich im Arhiv Slovenije, Komisija za ugotavljanje zločinov okupatorjev in njihovih pomagačev za Slovenijo.
25
Für die Aussiedlung der Slowenen nach Kroatien bemühte sich der deutsche Gesandte Siegfried Kasche. Siehe Dok. Nr. 57, 64, 80 u. 81.
26
Über die Einstellung der Aussiedlung von Slowenen aus den besetzten Gebieten Kärntens und Krains im August 1941 siehe Dok. Nr. 113 u. 115.
27
Siehe Dok. Nr. 112.

Aufbau und Tätigkeit des Umsiedlungsstabes beim Kommandeur
der Sicherheitspolizei und des SD in Veldes.
(Von Mai 1941 bis Ende September 1941.)

  1. Ende März 1941 wurde ich plötzlich vom SD-Referat in Krakau zum SD-Abschnitt in Klagenfurt zurückversetzt. Am 29. 3. 1941 trat ich meinen Dienst in Klagenfurt wieder an und schon in den ersten Apriltagen (3. oder 4. 4.) kam ein SS-Sturmbannführer Sandberger[2] im Auftragte des RSHA zum SD nach Klagenfurt, um den Leiter des SD-Abschnittes SS-Obersturmbannführer Volkenborn und anschliessend auch mir folgendes mitzuteilen: Ein Krieg mit Jugoslawien scheine unmittelbar bevorzustehen. In diesem Falle würde das Gebiet Oberkrain nördlich von Laibach vermutlich unter deutsche Zivilverwaltung kommen und sollte eingedeutscht werden. Deswegen habe Himmler seine Umwandererzentralstelle (UWZ) in Lodz angewiesen, eine Aussiedlung von Slowenen aus Oberkrain vorzubereiten. Der SD-Führer von Kärnten, SS-Obersturmbannführer Volkenborn sei als Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD in Veldes vorgesehen und ihm würde personell und disziplinär auch der Umsiedlungsstab unterstellt werden. Ich selbst hätte auf Befehl des Hauptamtes in Berlin von den 4 Abteilungen dieses Umsiedlungsstabes die Abteilungen I und II zu übernehmen. (Siehe Skizze). Auf meine Erklärung, dass ich das nicht tun könne, da ich noch nie an einer derartigen Aufgabe beteiligt war und auch Land und Leute in Oberkrain überhaupt nicht kenne, wurde mir von Sandberger erklärt, eine Verweigerung meinerseits sei unmöglich, da ein klarer Befehl des Hauptamtes vorliege und Himmler über die Personalbesetzung schon unterrichtet sei. Da sich auch Volkenborn dieser Meinung anschloss, musste ich mich schliesslich diesem Befehl fügen. Über alle näheren Einzelheiten dieser Aufgabe sollte ich erst orientiert werden, wenn Himmler mit dem stellvertretenden Gauleiter Kutschera, Volkenborn und Sandberger in Klagenfurt gesprochen hätte. Schon tags darauf fand diese Unterredung in Anwesenheit Himmler`s mit 2 Begleitern, Kutschera`s, des SS-Oberführers Schöne[3] (siehe Skizze). Volkenborn`s als vorgesehener Kommandeur und Sandberger`s als Vertreter der UWZ statt. Nach dieser Besprechung wurde ich von Volkenborn und Sandberger folgendermassen über die dabei ergangenen Befehle informiert.

  2. Verfügungen Hitler`s.

    1. Im Falle eines Kriegsausbruches mit Jugoslawien würde das an Kärnten angrenzende Gebiet bis nördlich von Laibach unter dem Namen Oberkrain sowie das Miesstal unter deutsche Zivilverwaltung kommen. Chef dieser Zivilverwaltung werde der damalige stellvertretende Gauleiter von Kärnten, SS-Brigadeführer Kutschera mit dem Dienstsitz in Veldes. Der Chef der Zivilverwaltung in Oberkrain habe den Auftrag, dieses Gebiet so rasch wie möglich deutsch zu machen.[4]
    2. Darauf aufgebaute Befehle Himmler`s.
      Himmler befahl nun seinerseits bei der Besprechung, dass zur Ermöglichung der Eindeutschung des Gebietes eine umfangreiche Aussiedlung von Slowenen zu erfolgen habe und zwar in 3 zeitlich aufeinander folgenden Wellen.[5]

    I. Welle:
    Termin so rasch als möglich. Personenkreis: Die gesamte slowenische führende Intelligenzschicht und alle politisch bisher tätig gewesenen Slowenen. Im einzelnen also die bekannten Vertreter der slowenischen politischen Parteien und Organisationen (Korosec Partei, Sokoln usw.) in den Gemeinden und Bezirksstädten, ferner die Lehrer, jüngeren Pfarrer und die verschiedenen akademischen Berufe, da bei diesen die Fähigkeit und Absicht vorauszusetzen wäre, sich gegen die Absichten der deutschen Zivilverwaltung aufzulehnen. Deshalb sei diese erste Welle eine Sicherheitsvorkehrung und werde als Exekutivmassnahme von der Staatspolizei beim KdS in Veldes umgehend zu erfassen und sobald wie möglich auszusiedeln sein.

    II. Welle:
    Sofort nach durchgeführter Registrierung der Gesamtbevölkerung des Gebietes sei festzustellen, welche Personen seit 1919 aus dem übrigen Jugoslawien nach Oberkrain zugewandert waren und diese Zuwanderer seit 1919 müssten dann als zweite Welle ausgesiedelt werden.

    III. Welle:
    Der an Laibach angrenzende südliche Teil Oberkrains sei in der Breite von 20 km vollkommen von allen Slowenen zu evakuieren, damit Himmler einen rein deutschen »Wehrbauernwall« dort aufrichten könnte. Zusätzlich seien alle jene Slowenen, die bei der Registrierung als rassisch ungeeignet bezeichnet würden, aus dem übrigen Oberkrain und dem Miesstal auszusiedeln, soweit sie sich nicht ausgesprochen deutschfreundlich verhielten oder Volksdeutsche wären.

    Bei keiner der drei Wellen dürften jedoch deutschstämmige oder deutschblütige Personen zur Evakuierung gelangen, sondern Personen mit mindestens einem deutschen Grosselternteil sollten bei positiver politischer Einstellung im Gebiete verbleiben und bei nicht deutschfreundlicher Gesinnung in Umsiedlungslager im Reich zur Rückdeutschung abtransportiert werden.[6]

    Zur Durchführung dieser Anordnungen habe er der Umwandererzentralstelle (UWZ) befohlen, beim KdS Veldes einen Umsiedlungsstab einzurichten, ihn mit dem nötigen Personal und Material auszustatten und die näheren Durchführungsbestimmungen für die Aussiedlung der Welle III bekanntzugeben.

  3. Anordnungen und Durchführungsbestimmungen der UWZ.

    Die vorbereitenden Arbeiten für die Feststellung der auszusiedelnden Slowenen sind von dem in 4 Abteilungen gegliederten Umsiedlungsstab und den ihm angegliederten, von der UWZ gestellten Registrierungskommissionen durchzuführen. Struktur und Organisation des Umsiedlungsstabes siehe Skizze unter Punkt 3). Zu den Himmler Befehlen über die Aussiedlung der Welle I und II ist nur hinzuzufügen, dass das Referat III beim Umsiedlungsstab in Personalunion vereinigt ist mit dem Leiter der Abteilung IV (Stapo) beim KdS Veldes und dass dieses Evakuierungsreferat unter Zuhilfenahme des Staporeferats beim KdS umgehend ein Umsiedlungslager für die Unterbringung der zu Evakuierenden in geeigneter Form und Lage errichtet und dann sofort mit der Erfassung und Einlieferung der von Himmler genannten Personenkreise der Welle I zu beginnen hat. Diese Erfassung habe einfach exekutiv zu erfolgen ohne die Registrierung durch die Kommission abzuwarten.

    Anordnungen zur Aussiedlung der Welle III.

    In dem völlig auszusiedelnden, 20 km breiten Südstreifen sei die Einsetzung von Registrierungskommissionen überflüssig, da der Aussiedlungsbefehl Himmler's mit Ausnahme der Volksdeutschen ohnedies kein Verbleiben der slowenischen Bevölkerung zulasse. Im nördlichen Teil Oberkrains und im Miesstal sei mit Hilfe der Registrierungskommissionen eine Totalerfassung der Bevölkerung gemeindemässig auf Familienkarteikarten durchzuführen und bei dieser Gelegenheit auf den Karteikarten Volkstumszugehörigkeit, rassische und politische Beurteilung jeder Familie durch die Kommission zu vermerken. Die Abteilung II des Stabes in Veldes habe dann unter Zugrundelegung der volkstumsmässigen, politischen und rassischen Einstufung auf der Karteikarte die Entscheidung zu fällen, ob die Familie im Gebiet verbleiben könne (= V), ob sie evakuiert werde (= E) oder ob sie in Altreichslager abzustellen sei (= A).

    Dieser Endentscheid durch die Abteilung II habe folgende Richtlinien zu befolgen:

    Grundlage bildet die Volkstumszugehörigkeit, zweitens die rassische Beurteilung und drittens die politische Beurteilung.

    Die rassische Beurteilung wird von den Rasseprüfern der Kommissionen in der entsprechenden Rubrik der Karteikarte durch die römischen Ziffern I, II, III und IV ausgedrückt. (Diese Ziffern bedeuten: I rein nordisch, II = vorwiegend nordisch oder dinarisch, III = vorwiegend ostischalpin oder ostbaltisch mit nordischem oder dinarischem Einschlag, IV = rein ostischalpin oder ostbaltisch bezw. aussereuropäische Rassen).

    Die politische Beurteilung wird von den Vorsitzenden der Registrierungskommission mit Hilfe der arabischen Ziffern 1, 2, 3, 4 und 5 in die dazugehörige Rubrik der Karteikarte vermerkt. (1 = aktiv deutschfreundlich, 2 = deutschfreundlich, 3 = indifferent, 4 = das Deutschtum ablehnend und 5 = aktiv gegnerisch).

    Als Volksdeutscher hat zu gelten wer drei bezw. 4 deutsche Grosselternteile hat; als deutschstämmig oder deutschblütig, wer 1 oder 2 deutsche Grosselternteile hat.

    Vorschriften für die Entscheidung:

    Slowenen: Volksdeutsche:
    Rassisch I: Verbleibt im Verbleibt im Gebiet bei
    Gebiet bei politisch 1, 2, 3; politisch 1, 2, 3, kommt ins
    kommt in Altreichslager bei 4. Altreich bei 4 und 5.
    War in Welle 1 zu evakuieren  
    bei 5.  
    Rassisch II: Verbleibt im Ge- Wie unter rassisch I.
    biet bei 1, 2, 3, wird evakuiert  
    bei 4 und 5 (5 = Welle I),  
    Rassisch III: Verbleibt im Wie unter rassisch I.
    Nordstreifen und im Miesstal  
    bei politisch 1 und 2, wird  
    evakuiert bei 3, 4 und 5.  
    Rassisch IV: Verbleibt bei Wie unter rassisch I.
    politisch 1, eventuell auch 2,  
    wird evakuiert bei 3, 4 und 5.  

    Nach diesem von der UWZ angeordnetem Schema war in der Abteilung II des Umsiedlungsstabes auf »Verbleib« (V), »Evakuierung« (E) oder »Altreichsfall« (A) zu entscheiden. Diese Entscheidungen galten auf Grund des Vorgesagten nur für die Welle III des nördlichen Gebietes. Welle I, Welle II und Südstreifen waren ja schon von Himmler eindeutig festgelegt. Unter Zugrundelegung dieser Befehle von Himmler wäre nach den nachherigen Erfahrungen eine Zahl von über 100.000 Personen von den insgesamt nicht 200.000 Einwohnern in den 3 Wellen zur Evakuierung gelangt.

    3.) Struktur des Umsiedlungsstabes[7] nach den Weisungen der UWZ und Abhängigkeitsverhältnis von höheren Dienststellen.

    Name: Umsiedlungsstab beim Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD in Veldes.
    Dienstsitz: In der Dienststelle des KdS Veldes, Parkhotel, 4. Stock.
    Sachlich vorgesetzte Dienststelle = UWZ in Lodz.
    Örtlich disziplinärer Chef = KdS, SS Obersturmbannführer Volkenborn.

    Erläuterungen und Dienststellenchefs zu Skizze 2.

    Himmler:
    Reichsführer-SS und damit vorgesetzter Chef aller SS--Hauptämter. Gleichzeitig damals Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums im Innenministerium

    Stabshauptamt-SS
    Berlin zur Festigung des deutschen Volkstums war als eines der SS-Hauptämter das Durchsführungsinstrument Himmler`s als Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums und bearbeitete die Rückführung und Wiederansiedlung von Volksdeutschen sowie Siedlungspläne für neue Gebiete. Chef des Stabshauptamtes-SS war: SS-General Greifelt.[8]

    Rasse und Siedlungshauptamt-SS: Berlin
    Hatte ursprünglich die Aufgabe, die rassische Auswahl der SS-Mitglieder festzulegen und zu überprüfen und wurde später beauftragt, die Richtlinien für die rassische Auslese deutschstämmiger Personen in den besetzten Gebieten auszuarbeiten. Die gleichen Grundsätze wurden dann von der UWZ bei den Aussiedlungsaktionen in Form der Rassenprüfung angewandt. Chef des Rasse und Siedlungshauptamtes-SS war damals SS-Gruppenführer Hofmann.[9]

    Reichssicherheitshauptamt (RSHA): Berlin
    Das RSHA stellte den Exekutivsektor für die Evakuierung sowie fallweise auch Personal für die Volkszugehörigkeitsentscheidung der UWZ zur Verfügung.
    Chef des RSHA war damals SS-Gruppenführer Heydrich.

    Umwandererzentralstelle Lodz (UWZ):
    Hauptsitze in Posen und Lodz, war gekoppelt mit der EWZ = Einwandererzentralstelle für Volksdeutsche und war gleichzeitig mit dieser zur Durchführung von Rücksiedlungs- und Aussiedlungsaktionen durch Himmler gegründet worden und sachlich wie auch personell den obigen 3 SS-Hauptämtern für die jeweilige Zuständigkeit unterstellt. Die UWZ hatte bei den Polenaussiedlungen aus den Bereichen Posen und Lodz die Evakuierungsrichtlinjen ausgearbeitet, die dann auch für Oberkrain ähnlich vorgeschrieben waren.

    Der eigentliche Chef der UWZ ist mir nicht bekannt, doch trat damals als ihr offizieller Vertreter in Klagenfurt SS--Sturmbannführer Sandberger auf.[10]

    Höherer SS- und Polizeiführer in Salzburg.
    Die Höheren-SS und Polizeiführer waren die unmittelbar beauftragten Vertreter Himmler`s bei allen höheren Partei- und Staatsstellen im Bereich eines Wehrkreiskommandos. Für ihren Dienstbereich waren sie gleichzeitig Unterbeauftragte Himmler`s für alle örtlichen Fragen der Festigung des deutschen Volkstums. Sie führten daher auch ein gleichnamiges Referat in ihrer Dienststelle.
    Höherer-SS und Polizeiführer in Salzburg war damals vor-übergehend SS-Gruppenführer Dr. Scheel.[11]

    BdS - Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD in Salzburg.
    scheint auf der Skizze nur als vorgesetzte Dienststelle des Kommandeurs der Sipo und des SD in Veldes auf, dem ja der Umsiedlungsstab angegliedert war.
    BdS war damals SS-Oberführer Brunner.[12]

    Dienststelle des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums beim Chef der Zivilverwallung in Veldes.
    Sitz in Veldes, Parkhotel, alter Trakt. Diese Dienststelle war dem CdZ beigegeben und unterstand in ihren Massnahmen sowohl dem Höheren-SS und Polizeiführer in Salzburg als auch direkt dem Stabshauptamt-SS. Sie war zur laufenden Berichterstattung an den CdZ verpflichtet. Sie hatte gleichzeitig eine staatliche Funktion als untergeordnete Dienststelle des Reichskommissars im Innenministerium. In Veldes hatte diese Dienststelle die Aufgabe, das unbewegliche Vermögen der Ausgesiedelten vom Evakuierungsreferat III des Umsiedlungsstabes zugunsten des Staates zu übernehmen, Treuhänder auf den Besitzungen einzusetzen und die Neubesiedlung durch Deutsche vorzubereiten oder durchzuführen. Die Verwaltung des gesamten Besitztums der Evakuierten lag als staatliche Aufgabe daher in ihrer Hand. Leiter der Dienststelle des Reichskommissars in Veldes war damals der vom Höheren-SS und Polizeiführer in Salzburg abgeordnete SS-Oberführer Schöne.[13]

    Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD in Veldes.[14]
    Dienstsitz in Veldes, Parkhotel, 3. Stock.
    Dem KdS in Veldes unterstanden einerseits die 5 Abteilungen seiner Kommandeurdienststelle direkt und zwar:
    Abteilung I = Personal: Besetzung unbekannt.
    Abteilung II = Verwaltung und Kasse: Besetzung unbekannt.

    Abteilung III = SD-Referat: SS-Hauptsturmführer Pacher.
    Abteilung IV = Geheime Staatspolizei: Leiter SS-Sturmbannführer Dr. B au e r.
    (Gleichzeitig Leiter des Evakuierungsreferates)
    Abteilung V = Kriminalpolizei: Besetzung unbekannt.

    Umsiedlungsstab beim Kommandeur der Sipo u. des SD in Veldes.
    Der Umsiedlungsstab war personell und disziplinär dem KdS SS-Obersturmbannführer Volkenborn unterstellt. Der KdS hatte also unmittelbaren Einfluss auf die Abteilung I, Personal des Umsiedlungsstabes und auf die Abteilung III - Evakuierung, die ja in Personalunion von seinem Stapoleiter Dr. Bauer geführt wurde.

    Abschliessende Erläuterung der Skizze 2:
    Die roten Verbindungslinien bedeuten die fachlichen, vorgesetzten Verhältnisse, also den Weg der sachlichen Dienstanweisungen. Die doppelten, roten Verbindungslinien von der UWZ zum Umsiedlungsstab und zu den Registrierungskommissionen bedeuten das unmittelbare sachliche Vorgesetztenverhältnis, also den Weg der Durchführungsbestimmungen. Die grünen Verbindungslinien stellen ein personell, disziplinäres Vorgesetztenverhältnis dar.

  4. Innere Struktur des Umsiedlungsstabes und die Aufgabengebiete der 4 Abteilungen sowie der Regisstrierungskommissionen und die personelle Besetzung.[15]

    Sachlich vorgesetzte Dienststelle = Umwandererzentralstelle
    Örtlicher, disziplinärer Chef = KdS Veldes.

    Abteilung I (Aufgabengebiete: Personal, Kasse, Schriftverkehr, Organisation des Ansatzes
    der Registrierungskommissionen, Karteiführung).
    Leiter der Abteilung: SS-Hauptsturmführer Dr. Glaser.
    Vertreter: SS Hauptsturmführer Schluifer.
    Karteiführung: SS-Scharführer Puecher mit 20 weiblichen Schreibkräften.
    Kasse: SS-Untersturmführer Bellak.

    Abteilung II = Volkszugehörigkeit und Entscheid.
    Die Abteilung II hatte in Zweifelsfällen die Karteikartenangaben über Volkstumszugehörigkeit, ob Volksdeutscher -oder Slowene, noch einmal zu überprüfen und hatte die vorgesehenen Entscheidungen V (Verbleib), E (Evakuierung) oder A (Altreichfall) auf Grund rassischer oder politischer Beurteilung auf den eingesandten Karteikarten nach den früher beschriebenen Richtlinien der UWZ vorzunehmen.
    Leiter: SS-Hauptsturmführer Dr. Glaser.

    Abteilung III = Evakuierungsabteilung.
    War mit der praktischen Durchführung der Aussiedlung beauftragt. Sie hatte die Errichtung eines Umsiedlungslagers und die Leitung dieses Lagers durchzuführen (Priesterseminar in St. Veit an der Save), ferner die Feststellung und Abholung der von Himmler genannten Personenkreise der I. Evakuierungswelle = politische Intelligenz als Exekutivmassnahme vorzunehmen und den Bahnabtransport mit Begleitsicherung durchzuführen. Ausserdem hatte sie Schlüssel und schriftliche Unterlagen der hinterlassenen Besitze der Evakuierten der Welle I an die Dienststelle des Reichskommissars in Veldes zu übergeben. Für diese Aufgaben standen dem Evakuierungsreferat die Kräfte der Abteilung IV (Stapo) beim KdS zur Verfügung.
    Leiter: war SS-Sturmbannführer Dr. Bauer als Stapoleiter beim KdS.

    Abteilung IV =Rassenabteilung.
    Sie hatte die Tätigkeit der Rassenprüfer in den Kommissionen zu überprüfen und zu lenken und befasste sich daneben mit rassischen, statistischen Feststellungen über die Bevölkerung des Gebietes.
    Leiter: SS-Obersturmbannführer Dr. Schultz vom Rasse u. Siedlungshauptamt-SS in Berlin.

    3 Registrierungskommissionen.
    Wurden von der UWZ gestellt und hatten die Aufgabe, die Bevölkerung gemeindemässig durch Registrierung auf Familienkarteikarten ausnahmslos zu erfassen und auf jeder Familienkarteikarte ausser den Personaldaten die Volkszugehörigkeit, die rassische und die politische Beurteilung nach dem früher erwähnten Schema zu vermerken. Jede Kommission setzte sich aus einem Vorsitzenden, einem Rassenprüfer, einigen weiblichen Schreibkräften für die Karteikarten und einem oder zwei Kraftfahrern zusammen. Besetzung soweit noch erinnerlich:

    Registrierungskommission 1:
    Vorsitzender: SS-Sturmbannführer Ohle
    Rasseprüfer: SS-Oberscharführer Proksch

    Registrierungskommission 2:
    Vorsitzender u. zugleich Rasseprüfer: SS-Obersturmführer Marx, Kraftfahrer Hohler,

    Registrierungskommission 3:
    Kam erst später zum Ansatz, als schon Schluifer die Organisation leitete, sodass mir ihre Zusammensetzung nicht mehr bekannt ist.

    Ausserdem war noch ein Röntgensturm der SS von Himmler während einiger Zeit den Registrierungskommissionen beigegeben, die in Industrieorten eine Röntgenreihenuntersuchung der zur Registrierung erscheinenden Bevölkerung zur Feststellung allfälliger Tuberkuloseerkrankungen durchführte. Die Ergebnisse dieser Röntgenuntersuchungen wurden dann dem zuständigen Gesundheitsamt zur ärztlichen Veranlassung zugesandt.

  5. Praktischer Verlauf der Arbeit des Umsiedlungsstabes beginnend von der Registrierung durch die Kommissionen bis zur Entscheidung der V, E und A-Fälle im Stabe in Veldes.

    Die gesamten Unterlagen der Arbeit des Umsiedlungsstabes in der Karteiführung und in den Abteilungen II, III und IV hatte mit Ausnahme der rein exekutiven Evakuierungswelle I, die Tätigkeit der Registrierungskommissionen zu liefern, die ja erst beurteilten Karteikarten der Familien jeder einzelnen registrierten Gemeinde dem Stab in Veldes überbrachten. Das Referat Organisation der Abteilung I des Stabes hatte lediglich die Bürgermeisterämter anzuweisen, alle Einwohner ihrer Gemeinde für den vorher festgesetzten Registrierungstag zum bekanntgegebenen Erfassungslokal zu bestellen.[16] Die Bürgermeister hatten das Erfassungslokal und für den angegebenen Tag Quartier für die Mitglieder der Registrierungskommission, die ja ständig unterwegs war, zu beschaffen. Dann wurden sie von dem Kommissionsvorsitzenden aufgefordert, eine geeignete objektive Person zu benennen, die über die Volkstumszugehörigkeit und die politische Einstellung und Tätigkeit jedes Registrierten Auskunft zu geben vermochte. Diese Person hatte dem Vorsitzenden der Kommission bei der Eintragung der Volkszugehörigkeit und zusätzlich zu den eigenen Angaben jedes Registrierten bei der politischen Beurteilung als Ortskundiger behilflich zu sein.

    Die Registrierung ging folgendermassen vor sich:
    Jede Familie der Gemeinde wurde auf einer Karteikarte mit Namen, Personaldaten, Beruf, Wohnung, seit wann dort ansässig und mit Aufzählung aller Familienzugehörigen eingetragen, die Volkszugehörigkeit wurde darauf festgestellt und dann gab der Vorsitzende den politischen Vermerk 1, 2, 3, 4 oder 5 (Siehe Richtlinien). Meist wurde die Note 3 gegeben, 4 nur selten und 5 fast nie, da für diese Beurteilungen eine genaue Begründung erforderlich war. Dann folgte von den Registrierten unbemerkt, die rassische Beurteilung durch den Rasseprüfer mit den Kartei-Vermerken I, II, III oder IV. Damit waren alle Eintragungen für diese Familie auf der Karteikarte vollzählig und die gesamten Karteikarten jeder abgeschlossenen Gemeinde wurden dem Stab zur Entscheidung nach den befohlenen Richtlinien vorgelegt. Alle Gemeinden des Gebietes waren bis Ende Juli 1941 registriert, die Entscheidungen auf die etwa 60.000 Karteikarten beanspruchten einen Zeitraum bis etwa Mitte September 1941.[17]

    Als in der Abteilung II im Laufe der Durchführung der Entscheidung für die V, E und A-Fälle festgestellt werden musste, dass nach den ursprünglichen Richtlinien Himmler`s und der UWZ mehr als die Hälfte der Bevölkerung Oberkrains zur Evakuierung gelangen müssten, war ein Grossteil der Tätigkeit dieser Abteilung darauf konzentriert, durch entsprechende Vorstellungen bei den verantwortlichen vorgesetzten Stellen günstigere Bedingungen für die Möglichkeit des Verbleibens viel grösserer Bevölkerungskreise zu erreichen. Genaueres darüber im letzten Punkt der Aussage. Das Referat III = Evakuierung hatte auf Grund der Registrierungsergebnisse keinerlei praktische Tätigkeit zu entfalten, da die Wellen II und III nicht zur Aussiedlung gelangten. Die Arbeit des Evakuierungsreferates erstreckte sich ausschliesslich auf die Durchführung der Aussiedlungswelle I = politisch führende Kreise und Intelligenz. Die von Himmler befohlenen, schon genannten Personenkreise wurden, nach Errichtung des Umsiedlungslagers in St. Veit an der Save durch den Leiter der Evakuierungsabteilung, von der Abteilung IV des KdS durch die Aussendienststellen erfasst und in das Umsiedlungslager überstellt. Diese Aktion umfasste insgesamt 800 Personen und war bis 20. Juni 1941 durchgeführt. Der Leiter der Abteilung II hatte dann bis 30. Juni 1941 jeden einzelnen eingelieferten Fall zu überprüfen, weil kein Deutschstämmiger ausgesiedelt werden sollte. Die Überprüfung brachte lediglich die Entlassung von etwa 7 Personen, die politisch als nicht hinreichend belastet worden waren und die Rückstellung von 2 Deutschstämmigen.

    Ungefähr zwischen 5. und 8. Juli 1941 wurden dann die Familien der 800 erfassten der Welle I durch Gendarmerie unter Leitung der Stapoabteilung beim KdS in das Umsiedlungslager verbracht und am 10. und 11. Juli glaublich erfolgte ihre Aussiedlung per Bahn nach Serbien. Es waren mit den Familienmitgliedern 2.100 Personen, also 1% der Bevölkerung.[18]

    Die näheren Begleitumstände des Abtransportes sind mir nicht bekannt, da ich bei keinem anwesend war. Ich bin auch nicht genau über den Umfang des zur Mitnahme gestatteten Gepäcks informiert, da diese Weisungen an das Evakuierungsreferat ergangen waren. Soweit mir erinnerlich durften die Familien mitnehmen: Bargeld und Wertpapiere, Wertsachen, Kleidung, Wäsche und Bettwäsche, Gebrauchsartikel und Lebensmittel pro Person etwa 30-50 kg.[19]

    Soweit ich bei meinen Besuchen im Umsiedlungslager anlässlich der Überprüfung der Volkszugehörigkeit feststellen konnte, war die Behandlung der Lagerinsassen von seiten der Lagerleitung korrekt. Der Leiter des Lagers war meines Wissens ein SS-Hauptscharführer Kriegl oder ähnlichen Namens vom Referat IV des KdS.[20]

    In der Karteiführung wurden die von den Kommissionen nach Gemeinden geordneten Familienkarteikarten auf je ein Doppelexemplar übertragen und nach der Entscheidung in V, E und A Fälle getrennt. Ein Exemplar der E Fälle wurde für das Evakuierungsreferat und ein Exemplar der V, E und A Fälle für die Dienststelle des Reichskommissars bereitgestellt. Ausserdem machte die Karteiführung statistische Erhebungen über die Berufsgruppen der Bevölkerung, ihre Altersgruppierung und das Referat IV statistische Tabellen und Skizzen über die rassische Struktur. Diese Statistiken wurden von den vorgesetzten Dienststellen innerhalb der Berichterstattung über die Ergebnisse der Registrierung gewünscht.

  6. Berichterstattung des Umsiedlungsstabes.

    Der Umsiedlungsstab hatte für die vorgesetzten 3 SS-Hauptämter sowie für den CdZ in Veldes monatlich je einen Bericht zu verfassen, in dem das Ergebnis der Registrierungsarbeit der Kommissionen von der Karteiführung und von den einzelnen Abteilungen je nach Zuständigkeit schematisch und statistisch zusammengefasst war, sodass dabei das Verhältnis der V, E und A Fälle klar in Erscheinung trat. Die Berichterstattung wurde so gehandhabt, dass jeder Monatsbericht gerade den Bereich eines Bezirks wie etwa Miesstal oder Radmannsdorf umfasste.[21] Bei der anschaulichen, schematischen Darstellung der zu befürchtenden Höhe der Evakuierungsfälle und bei den gleichzeitigen Hinweis auf das einwandfreie Verhalten der Bevölkerung, war es dann leicht möglich, anschliessend bei den verantwortlichen vorgesetzten Dienststellen für mildere Grundsätze bei der Evakuierungsentscheidung einzutreten. Von den Berichten gingen 3 Exemplare über den KdS ins RSHA, das 2 davon an das Stabshauptamt-SS bezw. Rasse und Siedlungshauptamt-SS weiterleitete. Ein Exemplar ging an den CdZ Veldes zur gleichzeitigen Kenntnisgabe an die Dienststelle des Reichskommissars. Derselbe Berichtsverteilerschlüssel galt für den geforderten Abschlussbericht des Umsiedlungsstabes, der das Gesamtergebnis der V, E und A Fälle in Zahlen, Skizzen und Statistiken getrennt nach Miesstal und Nordstreifen und 20 km Südstreifen, zu bringen hatte. Da dieser Abschlussbericht auch Himmler vorgelegt werden sollte, musste eine genaue Begründung für alle Abweichungen von seinen Befehlen bezüglich des Umfanges der Evakuierung gegeben werden. An Stelle der ursprünglich angeordneten mehr als 100.000 Evakuierungsfälle waren nämlich nach allen erreichten Milderungsbestimmungen mit und ohne Kenntnis Himmler`s nur 20.000 im Abschlussbericht genannt, so dass etwa 170.000 Einwohner nach Abzug der A-Fälle im Bereiche verblieben wären. Trotzdem wurde von den Berliner Hauptämtern gegen das im Abschlussbericht genannte Endergebnis kein Protest eingelegt.

  7. Ergebnis der Tätigkeit des Umsiedlungsstabes und während der 5 Arbeitsmonate erreichte Milderungsbestimmungen die schliesslich zum Verzicht auf die Aussiedlung der Wellen II und III führten.

    Einleitend seien kurz die ursprünglichen Befehle wiederholt.

    1. Welle I als Exekutivmassnahme gegen politische Intelligenz mit 2.100 Personen durchgeführt;
    2. Welle II alle seit 1919 zugewanderten Personen sind zu evakuieren (laut Registrierung etwa 4.000 Personen). Wurde nicht durchgeführt mit der Begründung, dass diese Zuwanderung kein volkspolitisches Verstossen bedeutete, sondern lediglich wirtschaftlicher Natur war. Diese Begründung wurde anerkannt und auf Welle II verzichtet.
    3. Welle III sollte etwa 60.000 Bewohner des Südstreifens evakuieren und dazu nach den ursprünglichen Durchführungsbestimmungen mehr als 40.000 rassisch unerwünschte Personen des nördlichen Teils.

      Tatsächlich fiel der Evakuierungsentscheid insgesamt nur über 20.000 Personen. Dieses Herabsinken auf ein Fünftel kam dadurch zustande, dass

      1. im Nordteil nach verschiedenen Interventionen im RSHA und im Rasse und Siedlungshauptamt-SS die Genehmigung erteilt wurde, alle Fälle von rassisch III plus politisch 3, die ausserordentlich zahlreich waren, nicht mehr auf E sondern auf V zu entscheiden,
      2. wurde durch interne Absprache mit dem Leiter der Rassenabteilung des Stabes erzielt, dass der rassische Vermerk IV so selten wie möglich gegeben wurde,
      3. wurden die Kommissionsvorsitzenden gleichfalls angewiesen, politisch 4 nur bei eindeutigen Beweisen der gegnerischen Einstellung auf den Karteikarten zu vermerken. Durch diese Änderungen wurde im Nordteil die Aussiedlungszahl von über 40.000 auf etwa 10.000 bei 130.000 Einwohnern herabgedrückt.[22]

      Für den Südstreifen wurde über das Rasse und Siedlungshauptamt SS anlässlich eines Besuches des SS-Gruppenführers Hofmann in Veldes die Genehmigung erreicht, auch die dortige Bevölkerung registrieren zu lassen und wenigstens rassisch I und II im Gebiet verbleiben zu lassen. Im stillen Einvernehmen mit dem Leiter des Rasse-Referats Dr. Schultz wurden die Rassenprüfer der Kommissionen zusätzlich aufgefordert, die rassisch III-Fälle als minus II (--II) und als plus III (+III) auf den Karteikarten zu bezeichnen, wobei in der Abteilung II auch diese beiden Benotungen noch zu den Verbleibsfällen gerechnet wurden. Als Endergebnis dieser Manipulationen brauchten nur 10.000 von den 60.000 Bewohnern des Südstreifens als E-Fälle bezeichnet werden. Ein ganz kleiner Prozentsatz fiel ferner unter die A-Fälle.[23]

      Das zahlenmässige Endergebnis war schliesslich:

      V-Fälle im gesamten Gebiet etwa170.000
      E-Fälle im gesamten Gebiet etwa20.000
      A-Fälle im gesamten Gebiet etwa3.000 bis 4.000.[24]

      Nach der ursprünglichen Absicht Himmler`s sollten sämtliche Evakuierungsfälle ohne Ersatz ihres unbeweglichen Besitzes nach Serbien evakuiert werden. Nach Feststellung des einwandfreien Verhaltens der Bevölkerung Oberkrajns vertraten aber nicht nur ich, sondern alle Dienststellen im CdZ Bereich Veldes solange und nachdrücklich in Berlin den Standpunkt, dass die vorgesehenen Aussiedler der Welle III unmöglich schuldlos ihr Heim in Oberkrain ohne ausreichende Ersatzleistung im neuen Ansiedlungsraum verlassen sollten, dass folgende Lösung schliesslich gefunden wurde. Als Aufnahmeraum wurde nunmehr Kroatien vorgesehen,[25] das sich verpflichtete, den Evakuierten der Welle III als Ersatz entsprechende Höfe, die frei geworden waren, zuzuweisen. Ohne entsprechende Ersatzgarantie sollte auf die Aussiedlung der Welle III aus Oberkrain verzichtet werden. Dies war der Grund, warum nach dem Fallenlassen der 2. Aussiedlungswelle auch die dritte grosse Evakuierungswelle selbst in der zahlenmässig herabgedrückten Form damals nicht und auch später nicht zur Durchführung gelangte. Für diesen Verzicht war allerdings nicht nur die Rücksichtnahme allein auf die betroffenen Aussiedler massgeblich, sondern auch das starke Argument, dass die wirtschaftliche Kraft Oberkrains unter der Aussiedlung sicherlich wesentlich gelitten hätte.[26]

      Demnach waren im Bereich des Umsiedlungsstabes Veldes nur die exekutiv zu erfassenden 800 Familien der politischen Intelligenz mit 2.100 Personen im Rahmen des Evakuierungsreferates des Umsiedlungsstabes ausgesiedelt worden und der Stab beendete am 1. Oktober 1941 durch Auflösung seine Tätigkeit ohne weitere Evakuierungsaktionen.[27]

Dr. Glaser Helmut

1
Archiv RSNZ, Ljubljana, Smlg. H. Glaser, (24 S.). Dr. Helmut Glaser wurde von den Alliierten als Kriegsverbrecher an die jugoslawischen Behörden übergegeben. Im Gerichtsprozess gegen Dr. Friedrich Rainer und anderen im Juli 1947 wurde Dr. Glaser zum Tode verurteilt und die Todesstrafe wurde dann auch vollstreckt. Während der Untersuchungshaft hatte er seine Aussage über die Tätigkeit des Umsiedlungsstabes, dessen Stabsführer er war, schriftlich niedergelegt. Jede Seite des Originals ist vom ihn unterschrieben. Siehe auch seine Aussage bei der Gerichtsverhandlung in Ljubljana, veröffentlicht in Ljudska pravica 13. 7. 1947.
2
Dr. Martin Sandberger. Siehe Dok. Nr. 37.
3
Nicht SS-Oberführer Schöne, sondern SS-Oberführer Wilhelm Schröder.
4
Siehe Dok. Nr. 94.
5
Über die Richtlinien des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums für die Aussiedlung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains siehe Dok. Nr. 66 u. 100.
6
Siehe Dok. Nr. 68, 76, 79 u. 90.
7
Der Umsiedlungsstab war tatsächlich teilweise anders zusammengesetzt als von Dr. Glaser auf der Skizze dargestellt. Siehe Dok. Nr. 59.
8
Im Frühling 1941 war der SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Ulrich Greifelt Chef der Dienststelle des RKFDV in Berlin und zeichnete die Akten in Vertretung. Das Stabshauptamt des RKFDV, zu dessen Chef Greifelt ernannt wurde, ist erst im Sommer 1941 errichtet worden.
9
Siehe Dok. Nr. 71.
10
Chef der UWZ in Lodz war damals der SS-Obersturmbannführer Hermann Krummey. Dr. Sandberger war Leiter der EWZ in Lodz.
11
Bis zum 15. 5. 1941 war der Höhere SS- und Polizeiführer im Wehrkreis XVIII in (Alpenland) Salzburg der SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei Alfred Rodenbücher, dann bis zum 12. 12. 1941 der SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Dr. Gustav Adolf Scheel, seitdem bis zum Kriegsende der SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei Erwin Rösener.
12
Der SS-Oberführer Heinz Brunner war nicht Befehlshaber, sondern Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD im Wehrkreis XVIII in Salzburg.
13
Siehe Anmerkung 3.
14
Die Dienststelle des Kommandeurs der Sicherheitspolizei und des SD in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains in Bled (Veldes), geleitet vom SS-Obersturmbannführer Fritz Volkenborn, gliederte sich in drei Ämter: Geheime Staatspolizei (Gestapo), geführt vom SS-Sturmbannführer Dr. Hans Bauer, Kriminalpolizei (Kripo), geführt vom SS.Obersturmführer Kurt Koch, Sicherheitsdienst (SD), geführt vom SS-Hauptsturmführer Franz Pacher.
15
Siehe Anm. 7.
16
Die Bürgermeister beriefen mit einem einheitlichen Aufruf auf Plakaten die Bevölkerung ihrer Gemeinden zur Erfassung in dazu bestimmte Lokale. Vorhanden ist nur der Aufruf des Bürgermeisters der Gemeinde črni vrh bei Polhov gradec in der Bibliothek des Muzej ljudske revolucije Slovenije, Smlg. der Druckschriften des deutschen Okkupators.
17
Über die Berichte der Umsiedlungskommission siehe Dok. Nr. 25 u. 95.
18
Siehe Dok. Nr. 103 u. 104
19
Siehe Dok. Nr. 69.
20
SS-Hauptscharführer Werner Klügel.
21
Solche Berichte liegen nicht vor.
22
Siehe Dok. Nr. 66, 77, 91, 100, 104 u. 111.
23
Siehe Dok. Nr. 71.
24
Für jede Gemeinde in Gorenjsko (Oberkrain) ist eine Liste der Familien mit der Zahl von Personen und ihrer Bezeichnung als V, E, A, E-S, E-V, A-b, A-V Fälle, zusammen 6.914 Familien mit 19.564 Personen vorhanden. Die Listen befinden sich im Arhiv Slovenije, Komisija za ugotavljanje zločinov okupatorjev in njihovih pomagačev za Slovenijo.
25
Für die Aussiedlung der Slowenen nach Kroatien bemühte sich der deutsche Gesandte Siegfried Kasche. Siehe Dok. Nr. 57, 64, 80 u. 81.
26
Über die Einstellung der Aussiedlung von Slowenen aus den besetzten Gebieten Kärntens und Krains im August 1941 siehe Dok. Nr. 113 u. 115.
27
Siehe Dok. Nr. 112.

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