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Denkschriften des Gaugrenzlandamtes NSDAP in Kärnten »Das Miesstal« und »Das Dreieck von Assling«[1]

1
PA AA Bonn, Pol. XII, Bd. 7, (9 5.).
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Die Denkschrift über das Miesstal hatte ihr Verfasser Alois Maier Kaibitsch sofort verschiedenen Dienststellen übermittelt. Ein Exemplar erhielt auch der Gauleiter der NSDAP und Reichsstatthalter in Salzburg Dr. Friedrich Rainer und sandte es am 16.7. 1940 über seinen Adjutant Leo Kreiner dem Auswärtigen Amt. (Ebda.) Ein zweites Exemplar erhielt das Auswärtige Amt am 14. 8. 1940 vom Nationalsozialistischen Reichskriegerbund in Berlin. (Ebda.)
3
Die Denkschrift über das sogenannte Asslinger Dreieck erhielt im Juli 1940 auch die Kanzlei des Stellvertreters des Führers der NSDAP (spätere Parteikanzlei) in München. Ihr Leiter Martin Bormann sandte ein Exemplar dieser Denkschrift am 29. Juli 1940 dem Reichsaussenminister J. v. Ribbentrop in Bad Fuschl. (Ebda.)
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Beide Denkschriften sandte der stellvertretende Gauleiter der NSDAP in Kärnten Franz Kutschera nach seiner Rückkehr aus der deutschen Wehrmacht dem Chef der Abteilung Protokoll im Auswärtigen Amt Gesandten Alexander Freiherr von Dörnberg, der sie dann der Abteilung Deutschland übermittelte. (Ebda.)
5
Dr. Vladimir Pawlowski.
6
Der Stellvertretende Gauleiter der NSDAP in Kärnten Franz Kutschera hatte im Frühling 1940 am Westfeldzug teilgenommen und blieb noch eine Zeit bei der deutschen Wehrmacht in Frankreich.
7
Neben den 2 Denkschriften wurden in Anlagen auch 3 Skizzen übermittelt.

NATIONALSOZIALISTISCHE DEUTSCHE ARBEITERPARTEI
Gauleitung Kärnten

Gau-Grenzlandamt
Amtliche Umsiedlungsstelle
Gasometergasse-Ecke Platzgasse
Fernruf Nr. 475

Klagenfurt, den 24. Juli 1940

Mein Zeichen: M. K./P.
Ihr Zeichen:

Gegenstand: Denkschrift über das
Miesstal und das Asslinger Dreieck.

GEHEIM!

An die
Dienststelle des Beauftragten der NSDAP für aussenpolitische
Fragen (Aussendienststelle Ribbentrop)[2]
in Berlin W 8
Wilhelmstrasse 63

Anliegend überreiche ich Ihnen Denkschriften über das Miesstal mit dazugehöriger Karte und über das sogenannte Asslinger Dreieck mit Kartenskizzen.[3]

Ich habe diese Denkschriften[4] dem Regierungspräsidenten von Kärnten[5] und dem mit der Führung des Gaues Kärnten beauftragten Kreisleiter Dr. Karl Pachneck überreicht.[6] Im Falle Miesstal und Unterdrauburg handelt es sich um altkärntnerisches Gebiet, das gegen jedes Recht durch den Friedensvertrag von St. Germain von Kärnten gegen den Wunsch der Bevölkerung ohne Volksabstimmung losgetrennt wurde.

Das sogenannte »Asslinger Dreieck« war, wie aus der Denkschrift ersichtlich ist, schon nach dem Zusammenbruch der österreichischen Monarchie als eine Art Kompensation für das Land Kärnten in Aussicht genommen. Die Zuteilung dieses Asslinger Dreieckes zu Kärnten bzw. zu Deutschland dürfte nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern nicht zuletzt auch aus militärischen Gründen nicht nur vertretbar, sondern notwendig sein. Ich mache hiebei aufmerksam dass z. B. auch die Karawankengrenze keinesfalls als eine befriedigende militärische Grenze zu bezeichnen ist, da die Grenze auf dem Kamme selbst verlauft und von der Petzen bis zur Wurzen der Nachbarstaat von diesen beherrschenden Höhen weit in deutsches Land hineinblickt. Die Karawanken sind auch auf unserer Seite schroff und schwer besteigbar, während sie auf der anderen Seite bis zu den Höhen hinauf bewaldet und bemattet sind. Ich glaube, dass gerade die Frage des Asslinger Dreieckes von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist, weshalb ich mir erlaube, gerade auch Ihrer Stelle im Einvernehmen und im Auftrage des mit der Führung des Gaues Kärnten beauftragten Kreisleiters sowohl die Asslinger als auch die Miesstaler Denkschrift zu überreichen.

Heil Hitler!

Der Leiter des Gaugrenzlandamtes:
Maier Kaibitsch
SS Obersturmbannführer

5 Anlagen[7]
Einschreiben.

Das Miesstal.

Grösse und Verkehrslage.

Das Miesstal, ein Gebiet mit rund 360 km2, immer zu Kärnten gehörig, wurde ohne Volksabstimmung und gegen den Willen der Bevölkerung im Gewaltfrieden von St. Germain dem südslawischen Staate einverleibt. Es zählt gegen 20.000 Einwohner.

Die das Miesstal durchlaufende Bahnlinie Klagenfurt--Marburg ist ein Teil des Verkehrsdreieckes Graz--Bruck----St. Veit--Villach--Klagenfurt--Graz. Es ist heute so, dass, wenn man auf direktem Wege von der Gauhauptstadt Klagenfurt in die Kreisstadt Wolfsberg fahren will, über heute südslawisches Gebiet, durch das Miesstal fahren muss, also durch einen fremden Staat, um wieder in den eigenen Gau zu gelangen.

Das ganze Gebiet neigt infolge seiner natürlichen Abgegrenztheit von Natur aus zu Kärnten und gehörte, wie schon erwähnt, bis zum Friedensdiktat zu Kärnten, mit dem es auf das engste wirtschaftlich verbunden war. Seine bekanntesten Märkte waren Bleiburg, Völkermarkt und vor allem Klagenfurt.

Wirtschaft.

Wirtschaftlich ist das Miesstal reich mit Bodenschätzen gesegnet. Es besitzt ca 19.000 ha vortrefflichen Hochwald

3.700 ha Ackerland
3.200 ha Wiesen
3.400 ha Almen.

Den Hauptreichtum des Tales aber bilden die ausserordentlich reichen Bleiberge Von Miess- und Schwarzenbach, in denen 1915--1917 durchschnittlich 11.000 Tonnen Blei erzeugt wurden und ungefähr 1.500 Arbeiter beschäftigt waren. Nach dem Weltkrieg ging das Bergwerk in den Besitz einer englischen Gesellschaft, »Continental European Mines« über, die die Produktion noch bedeutend gesteigert hat. Ausser Bleierzen finden sich auch Zinkerze und Braunkohle bei Liescha und am Homberg. Das Stahlwerk Streiteben erzeugte während des Weltkrieges durchschnittlich 50.000 MZ Stahl. Die Hälfte der Bevölkerung des Miesstales ist in der Industrie beschäftigt, der Rest Kleinbauern und landwirtschaftliche Arbeiter.

Infolge der natürlichen Verkehrslage und wegen der Abgeschlossenheit gegen Süden und Osten gehörte das Miesstal mit dem Gebiet von Unterdrauburg und die Becken von Mahrenberg und Windischgraz schon im frühen Mittelalter zum alten, deutschen, von Kaiser Otto II. 976 gegründeten Herzogtum Kärnten. Während das Miesstal bis zum Friedensdiktat bei Kärnten verblieb, kam das Becken von Mahrenberg im 12., das von Windischgraz im 15. Jahrhundert zu Steiermark. Die grössten Orte, Unterdrauburg das schon 1180 genannt wird, Gutenstein, Prävall usw. sind deutsche Gründungen. Im 15. Jahrhundert wurden die ersten Eisenhämmer errichtet und die Industrie im Miesstal entwickelte sich zur bedeutenden Höhe. Das grösste Werk war Prävali, einst der Stolz Kärntens. Die Industrie des Miesstales verdankt ihre Entstehung und ihre Blüte ausschliesslich deutscher Tatkraft und Unternehmungslust.

Sprachliche und völkische Verhältnisse.

In der Völkerwanderungszeit war das Miesstal von Ostgermanen besiedelt. Die ersten im 12. und 13. Jahrhundert urkundlich auftauchenden Namen sind ausschliesslich deutsch. Später wanderten Slawen ein, jedoch ist das Deutschtum seit Jahrhunderten dauernd bodenständig. Sämtliche Urkunden, Protokolle und andere schriftliche Niederschläge des Rechtslebens, das auf durchaus deutscher Grundlage beruht, sind mit Ausnahme der lateinischen aus dem frühen Mittelalter, in deutscher Sprache abgefasst. In Unterdrauburg und Gutenstein gab es um die Mitte des 18. Jahrhunderts nur deutsche Schulen. Nun liegen die volkspolitischen Verhältnisse im Miesstal ebenso wie im übrigen Kärnten, also wie im Jauntal, Rosental, und im Wörtherseegebiet. Wenn sich auch ein Teil der Bevölkerung der windischen Umgangssprache bedient, so ist im Miesstal der grösste Teil dieser Bevölkerung deutschgesinnt. Wenn auch im Miesstal, sowie in dem südöstlichen Teil Kärntens im Oktober 1920 eine Volksabstimmung stattgefunden hätte, hätte weit mehr als die Hälfte der abstimmungsberechtigten Bevölkerung sich schon damals zum deutschen Kärnten bekannt.

ie Jugoslawenzeit.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie marschierten im November 1918 südslawische Abteilungen im Miesstal ein, um nicht nur dieses, sondern um weiteren Verlauf auch noch weitere Teile des übrigen Kärntens für den südslawischen Staat in Besitz zu nehmen. Südslawische Abteilungen besetzten auch Ende des Jahres 1918 Bleiburg, Völkermarkt, Ferlach, Arnoldstein usw. Es kam zu den Kärntner Freiheitskämpfen. Im Verlauf dieser Kämpfe wurde beim Vormarsch der Kärntner im Mai 1919 auch das Miesstal zur Gänze befreit. Unter den Kärntner Freiheitskämpfern waren mit, die tapfersten Freiwilligen aus dem Miesstal. Als die serbischen Kriegsdivisionen mit vielfachen Übermacht zum Gegenangriff schritten, musste auch das Miesstal mit dem gesamten nachmaligen Kärntner Abstimmungsgebiet nach schweren Rückzugsgefechten von den Kärntner Truppen geräumt werden. Während nun für das übrige Gebiet die Volksabstimmung zugestanden wurde, verwehrte man den Miesstalern dieses hart erkämpfte Recht. Zahllos sind die Denkschriften und Vorsprachen der Miesstaler aus den Jahren 1919 und 1920 bei der Kärntner Landesregierung und der damaligen interaliierten Militärkommission, die eine zeitlang in Klagenfurt weilte, in denen Miesstaler um Gerechtigkeit baten und gleichfalls eine Volksabstimmung verlangten.

An leitender Stelle in Kärnten schätzte man die Zahl der deutschgesinnten Miesstaler schon im Jahre 1920 auf mindestens 75% und hätte eine Volksabstimmung im Miesstal das Gesamtergebnis nicht verschlechtert, sondern sogar verbessert.

Im Laufe der letzten Jahre wanderten allerdings zahlreiche Deutsche, die unter schwerem Drucke standen, ab. Wenn jedoch bei der südslawischen Zählung im Jahre 1921 behauptet wurde, dass von den 15.000 Einwohnern höchstens 10% deutsch seien, so ist dies unrichtig. Es liegen auch heute noch die Verhältnisse im Miesstal so, dass die Mehrheit der Bevölkerung zurück nach Kärnten und zu Deutschland will. Diese Hoffnung und dieser leidenschaftliche Wunsch werden von Tag zu Tag stärker und trotz scharfer Absperrmassnahmen durch südslawisches Militär kommen fast täglich Abgesandte der deutschen Miesstaler nach Kärnten mit dem Wunsche und der heissen Hoffnung sich Gewissheit zu holen, dass das Miesstal nicht vergessenes deutsche Land ist.

Klagenfurt, den 8. Juli 1940.
f. d. Maier Kaibitsch
SS-Obersturmbannführer

GEHEIM

Das Dreieck von Assling.

Das sogenannte Dreieck von Assling spielte in den Pariser Friedensverhandlungen eine im Vergleich zu seiner Grösse ganz unverhältnismässige Rolle. Man verstand darunter die Täler der beiden Quellflüsse der Save, der Wurzener- und der Wocheiner Save, die sich wie ein Keil zwischen das ehemalige Österreich und das Königreich Italien mit seinen gegenwärtigen Grenzen hineinschieben (Beilage 1). Es wird im Norden von den Karawanken (Mittagskogel 2143 m), im Süden von den Julischen Alpen (Triglav 2864 m) begrenzt. Die Karawanken werden durch den Karawankentunnel zwischen Rosenbach und Assling (Jesenice), die Julischen Alpen durch den Wocheinertunnel zwischen Wocheiner Feistritz (Wohinska Bistrica) und Piedicolle (Adelsberg) durchbrochen. Im Nordwesten kommt man über die Talwasserscheide von Ratschach nach Weissenfels (früher zu Krain gehörig, jetzt italienisch) und weiter nach Tarvis, den Hauptort des ehemals kärntnischen, jetzt italienischen Kanaltales. Im Osten schliesst sich das Becken von Radmannsdorf an und fehlt hier eine klare Naturgrenze. Zieht man die Grenze entlang dem tief eingeschnittenen Graben des Unterlaufs der Wurzener Save von der Einmündung der Wocheiner Save bis zum Knie nördlich Veldes und von da weiter in gerader Linie zum Hochstuhl, so umfasst das Gebiet (ohne Weissenfels) ungefähr 870 km2 und zählte es 1910 22.800 Einwohner. Dehnt man das Asslinger Dreieck aber über den ganzen ehemaligen politischen Bezirk Radmannsdorf aus, wie es l919/20 gelegentlich von Italien vorgeschlagen wurde, so hat es einen Flächenraum von 1045 qkm und zählte es 1910 32.800 Einwohner. Diese Gebiete sind, der Umgangssprache nach in der Mehrheit slowenisch.

Das Gebiet ist zum grössten Teil Waldland, nur im Becken von Radmannsdorf tritt der Ackerbau an erster Stelle. Am herrlichen Veldesersee herrscht lebhafter Fremdenverkehr. Am Südhang der Karawanken wurde in den Alpen und oberhalb Jauerburg seit dem Mittelalter Bergbau auf Eisen betrieben, der von den Deutschen schon im 14. Jahrhundert begründet wurde und Anlass zur Entwicklung einer lebhaften Eisenindustrie gab. Die sehr leistungsfähigen Hochöfen und Eisen- und Stahlwerke der Krainer Industriegesellschaft in Assling, Sawa und Jauerburg standen vor dem Weltkrieg in hoher Blüte und gehören heute noch zu den bedeutendsten Werken Jugoslawiens.

Besondere Bedeutung hat das Asslinger Dreieck durch seine Verkehrslage. Es wird nämlich von der Karawanken- und Wocheinerbahn durchschnitten, die den Verkehr von Süddeutschland, Böhmen und vom Wiener Becken nach Triest vermittelt. Von geringerer Bedeutung ist die Bahnstrecke Ratschach-- Assling--Laibach. Sie ging ursprünglich von Tarvis aus, wurde aber nach dem Weltkrieg zerstückelt, so dass heute die Strecke Assling--Tarvis lahmgelegt ist.

Auf der Friedenskonferenz im Jahre 1919 verlangten die italienischen Delegierten mit Rücksicht auf den Hafen von Triest hartnäckig, dass die Wocheiner- und Karawankenbahn unmittelbar vom italienischen auf österreichisches Gebiet führe, dass also die verhältnissmässig kurze Bahnstrecke, die über das Asslinger Dreieck führt, nicht auf jugoslawisches Gebiet zu liegen komme. Doch sprachen sie sich gegen die Zuweisung des Dreieckes an Italien aus, da Italien die Einverleibung nichtitalienischer Völker vermeiden wolle, ausgenommen dort, wo Gebiete für die Sicherheit Italiens gefordert würden. Massgebend für diese Haltung Italiens scheint jedoch auch die Tatsache gewesen zu sein, dass der Londoner Vertrag von 1915 das Asslinger Dreieck ausserhalb der von den Ententestaaten Italien zugesicherten Grenze lag. Die italienischen Delegierten schlugen daher vor, das Asslinger Dreieck Österreich zu geben. Dieser Vorschlag scheiterte an dem Widerstande des englischen Aussenministers Balfour, der sich entschieden dagegen aussprach, dass man die Jugoslawen des Asslinger Dreieckes von den übrigen Jugoslawen trenne und Österreich, einem ehemaligen Feinde, zuweise; auch könne man Österreich nicht auf die Südseite der Gebirgskette bringen, die die natürliche Grenze zwischen Österreich und Jugoslawien sei, da man damit den nördlichen Staaten eine Angriffsmöglichkeit gegen Jugoslawien biete. Auch die deutsch-österreichische Regierung und die deutschösterreichische Delegation lehnten unverständlicherweise ein vertrauliches Angebot ab, da nach Ansicht dieser Vertreter der österreichischen Regierung eine Angliederung des Asslinger Dreieckes an Österreich dem Grundsatz des Selbstbestimmungsrechtes widersprochen hätte. Da die Frage trotz monatelanger Verhandlungen weder in der Gebietskommission der Friedenskonferenz, noch im Rat der 5 Aussenminister, noch im Obersten Rat (dem Rat »der Vier«) geklärt werden konnte, so wurde ihre Lösung bis in die Zeit nach der Kärntner Volksabstimmung aufgeschoben, zumal ja der Ausgang der Volksabstimmung für die endgültige

Entscheidung über das Asslinger Dreieck nicht gleichgültig war. Kurz vor und unmittelbar nach der Volksabstimmung hat der italienische Botschafter in Paris noch einmal die Angliederung des Asslinger Dreiecks an Österreich angeregt, doch ging die österreichische Regierung auch diesmal nicht darauf ein. Erst im Vertrag von Rappallo vom 12. November 1920 wurde das Dreieck von Assling Jugoslawien belassen und die heutige Grenze zwischen Italien und Jugoslawien gezogen.

Tatsächlich hatte die Zerstücklung der Karawanken- und Wocheinerbahn schwere wirtschaftliche Nachteile zur Folge. Abgesehen von den dreimaligen Zollrevisionen (österreichische in Rosenbach, jugoslawische in Assling oder in Wocheiner Feistritz, italienische in Piedicolle), die die Reisenden belästigen und den Personenverkehr hemmen, hat auch der Warenverkehr nach Triest sehr gelitten, insbesondere in den ersten Jahren nach dem Weltkrieg. Es verkehrten auf den Strecken:

Dir Strecke Klagenfurt--Rosenbach hat den Schnellzugsverkehr vollständig, den Warenverkehr zwischen Triest und dem Norden fast vollständig eingebüsst. Etwas besser steht es mit der Strecke Villach--Rosenbach, hauptsächlich wegen des starken Verkehrs von Süddeutschland nach Jugoslawien. Schon aus dem Rückgang des Verkehrs zwischen Klagenfurt und Rosenbach sowie Villach und Rosenbach ergibt sich, dass auch der Verkehr zwischen Assling und Triest zurückgegangen sein muss. Genauere Zahlen darüber stehen nicht zur Verfügung.

Die schädlichen Folgen der Zerstücklung wirkten sich vor allem für Triest aus, aber auch für die deutschen Wirtschaftsgebiete im Norden. Ohne Zweifel hat der Handel vom deutschen Norden zur Adria stark abgenommen.Zu beachten ist auch, dass, wie Beilage II zeigt, die kürzesten Eisenbahnstrecken von Berlin nach Triest über Assling gehen. Während nämlich die von Triest über Laibach, Marburg und Wien nach Berlin führenden Strecken II a und b 1300 und 1368 km lang sind, haben die über Assling laufenden Strecken 1 a, b, c nur eine Länge von 1085 bis 1192 km. Überdies laufen die Strecken II a und b zwischen der deutschjugoslawischen Grenze in Untersteier und der jugoslawischitalienischen Grenze in Krain auf einer Strecke von etwa 150 km auf jugoslawischem Gebiet, was nur bei einer vollständigen Änderung der politischen Verhältnisse zu beseitigen wäre.

Schon vor dem Weltkrieg waren die beiden von Triest nach Norden führenden Eisenbahnlinien, die Wocheiner- und Karawankenbahn und die Südbahn, überlastet. Nach Schluss des gegenwärtigen Krieges wird ohne Zweifel ein grosser wirtschaftlicher Aufschwung in den beiden Achsenmächten einsetzen, der Hafen von Triest neue Bedeutung bekommen und der Warenaustausch, zwischen dem Reich und Triest rasch zunehmen. Es muss daher Vorsorge getroffen werden, dass die vorhandenen Verkehrsmöglichkeiten voll und ganz ausgenützt werden können und alle Verkehrshemmungen fallen. Es ist auch unerträglich, dass über 1000 km lange Bahnlinien, die von Berlin nach Triest führen, durch ein 40 km langes, durch fremdes Zollgebiet laufendes und den unmittelbaren Eisenbahnverkehr zwischen dem Reich und Triest hinderndes Stück zerschnitten werden.

Die verkehrshemmenden Schranken im Asslinger Dreieck müssen daher in irgendeiner Form beseitigt werden, entweder durch die Angliederung an das Grossdeutsche Reich oder zumindest durch Schaffung eines Korridors. Die erstere Lösung dürfte auch vom militärischen Standpunkte aus die richtige sein.

Klagenfurt, im Juli 1940
Der Leiter des Gaugrenzlandamtes:
Maier Kaibitsch
SS-Obersturmbannführer

1
PA AA Bonn, Pol. XII, Bd. 7, (9 5.).
2
Die Denkschrift über das Miesstal hatte ihr Verfasser Alois Maier Kaibitsch sofort verschiedenen Dienststellen übermittelt. Ein Exemplar erhielt auch der Gauleiter der NSDAP und Reichsstatthalter in Salzburg Dr. Friedrich Rainer und sandte es am 16.7. 1940 über seinen Adjutant Leo Kreiner dem Auswärtigen Amt. (Ebda.) Ein zweites Exemplar erhielt das Auswärtige Amt am 14. 8. 1940 vom Nationalsozialistischen Reichskriegerbund in Berlin. (Ebda.)
3
Die Denkschrift über das sogenannte Asslinger Dreieck erhielt im Juli 1940 auch die Kanzlei des Stellvertreters des Führers der NSDAP (spätere Parteikanzlei) in München. Ihr Leiter Martin Bormann sandte ein Exemplar dieser Denkschrift am 29. Juli 1940 dem Reichsaussenminister J. v. Ribbentrop in Bad Fuschl. (Ebda.)
4
Beide Denkschriften sandte der stellvertretende Gauleiter der NSDAP in Kärnten Franz Kutschera nach seiner Rückkehr aus der deutschen Wehrmacht dem Chef der Abteilung Protokoll im Auswärtigen Amt Gesandten Alexander Freiherr von Dörnberg, der sie dann der Abteilung Deutschland übermittelte. (Ebda.)
5
Dr. Vladimir Pawlowski.
6
Der Stellvertretende Gauleiter der NSDAP in Kärnten Franz Kutschera hatte im Frühling 1940 am Westfeldzug teilgenommen und blieb noch eine Zeit bei der deutschen Wehrmacht in Frankreich.
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Neben den 2 Denkschriften wurden in Anlagen auch 3 Skizzen übermittelt.

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