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Denkschrift von Dr. Oskar von Kaltenegger über die Aussiedlung von Slowenen aus den besetzten Gebieten Kärntens und Krains[1]

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AIZDG, RPA Kärnten-Zweigstelle Veldes, Bd. 3; Mf. aus NAW, T-77, Aufn. 969612-7, (7S.). Der Verfasser dieser Denkschrift Dr. Oskar von Kaltenegger war für einige Monate nach der deutschen Besetzung Sloweniens Berater des Chefs der Zivilverwaltung und der Beauftragte für die Einziehung staatsfeindlichen Vermögens im Stabe des Chefs der Zivilverwaltung in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains. Seine Denkschrift sandte er auch an Göring und Himmler. Nach seinem Auftreten für die Slowenen wurde er zum Wehrdienst einberufen.
2
Der Verfasser übertreibt die Stimmung der Bevölkerung beim Einrücken der deutschen Wehrmacht wohl deshalb, um dem Gegensatz zu der Lage im Sommer herauszustreichen
3
Vgl. mit dem Dok. Nr. 218.
4
Siehe Dok. Nr. 71, 91, 176 u. 177.
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Der Verfasser meint den Beirat (Konsulta) des Hohen Kommissars für die Laibacher Provinz Emilio Grazioli in Ljubljana, ernannt mit dem Dekret von Mussolini vom 27. Mai 1941.
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Am 5. 7. 1941 begann der deutsche Okkupator in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains mit der Herausgabe des in slowenischer Sprache erscheinenden Wochenblattes »Karawanken Bote«, als amtliches Organ des Kärntner Volksbundes und Mitteilungsblatt des Chefs der Zivilverwaltung.

Veldes, am 9. Juli 1941.

In einer Zeit, in der es um sein oder nicht sein des Deutschen Volkes geht, wo der Lenker des deutschen Schicksals zugleich das Schicksal der Welt in seine Hände genommen hat, wo über das Geschick von Millionen Menschen und hunderttausende von Quadratkilometern entschieden wird, scheint es vielleicht kleinlich, aufhebens machen zu wollen wegen des Loses einiger zehntausend Menschen, wegen eines Gebietes von 2-3000 qkm. Aber es ist nicht so sehr das Schicksal dieses Splitters, sondern es geht um das Prinzip und es besteht die Gefahr, dass ein missverstandener Auftrag des Führers und unrichtige Vorstellungen, die an massgeblichen Stellen bestehen, für die Gesamtheit des deutschen Volkes mehr Unheil bringen, als die wenigen Menschen angeht, die hier unmittelbar darunter leiden müssen.

Mitten in die schweren Entschlüsse, die in der Weltpolitik gefasst werden mussten, fiel die Heimkehr eines Teiles des ehemaligen österreichischen Kronlandes Krain in das Reich. Nur wenigen von denen, die mit der Aufgabe, dieses Gebiet rückzugliedern, betraut waren, waren die Verhältnisse näher bekannt, nur wenige kannten die Geschichte dieses Landes, fast niemand die gegenwärtige Stimmung der grossen Menge des Volkes. Mit Entsetzen sieht der Kenner die Entwicklung, wie die Stimmung, die beim Einmarsch unserer sehnsüchtig erwarteten Truppen zu 99 % für uns war, infolge verkehrter Massnahmen ins Gegenteil umgewandelt worden ist. Als gebürtiger Deutschkrainer, der mehr als 2 Jahrzehnte darunter gelitten hat, dass er seine Heimat verloren hat, als Weltkriegsoffizier und Schwerkriegsbeschädigter, vor allem aber als alter Nationalsozialist, der schon 1920 für Kärntens Freiheit mit Hab und Gut eingetreten und noch vor der Machtergreifung zur Schar des Führers gestossen, durch alle Nöte der Schuschniggzeit gegangen ist, wäre ich ein Feigling, wenn ich persönlicher Annehmlichkeiten willen hier schweigen würde. Der Führer, der sich selbst als den härtesten Mann der Gegenwart bezeichnet hat, wäre entsetzt, wenn er wüsste, was auf Grund seines Auftrages, dieses Land wieder deutsch zu machen, hier geschieht, wie Härte, die notwendig ist, in Grausamkeit und - leider Willkür verwandelt wird!

Krain war seit Jahrhunderten deutsche Grenzmark. Ursprünglich von den Wenden, einem slawischen Urvolk bewohnt, wurde es zugleich mit den nördlichen Gebieten von Oberösterreich, Steiermark, Kärnten von den bayrischen Herzögen, Klöstern und Bischöfen, von letzteren auf dem Umwege über Brixen, germanisiert. Während in den Ländern der genannten Gebiete die Germanisierung und Besiedlung durch deutsches Blut bis in die unterste Volksschicht vordrang und nur mehr einige Familien-, Ort- und Flussnamen (Retschitzegger, Ostravitz, Windischgarsten u. dgl.) an die Urbevölkerung erinnern, drang die deutsche Kultur in Krain und den angrenzenden Gebieten der Steiermark, Südkärntens und des nördlichen Küstenlandes nur bis in den unteren Mittelstand, dergestalt, dass selbstverständlich der Adel, Grossgrundbesitz, hoher Klerus, die Märkte und Städte, ja alle grösseren Siedlungen deutsch waren, während am Lande deutsch wohl auch gesprochen und verstanden, der Bauer und Landwirt aber einen Dialekt sprach, den Valvasor in seiner »Ehre des Herzogtum Krain« als »crainerisch« bezeichnet, der nur über einen geringen Wortschatz reinslawischen Ursprunges verfügte, sonst aber eine Unmenge deutscher Lehnworte mit oder ohne slawische Endungen gebrauchte. In den Türkenkriegen haben die Krainer, ohne Unterschied ob mehr oder weniger deutsches Blut in ihren Adern floss, reichlichen Blutzoll geleistet und so ihren gemessenen Anteil an der Rettung abendländischer Kultur gehabt, Krain war immer Europa, der Balkan begann erst hinter der ehemaligen »Militärgrenze« irgendwo in Kroatien und Slawonien. Die Irrlehren der französischen Revolution, der liberalistische Wahn der Gleichberechtigung, dann die unglückliche Politik der Habsburger, die erst die deutsche Kaiserkrone wegwarfen, weil sie zu schwach waren, sie zu halten, brachte es mit sich, dass auch in den Splittervölkern die Begier wachgerufen wurde, mit dem nun im Parlamente in der Minderheit verbliebenen deutschen Österreichern nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch in den Kampf zu treten. Hatte Laibach noch in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts einen deutschen Bürgermeister (mein Grossvater war bis 1883 deutscher Landeshauptmann) also deutsch gewählter Abgeordneter, so hatte das Nachgeben der Regierung wegen lumpiger Stimmen im Parlament verheerende Folgen. Eine slowenische Schriftsprache wurde erfunden, das »hochslowenische«, eine Kunstsprache, die heute nach 25 Jahren serbischslowenischer Herrschaft, der einfache Mann noch immer schwer versteht. Ein verhältnismässig kleiner Kreis von Politikern riss die Führung an sich. Noch gelang es deutschen Männern, wie z. B. meinem Vater, vieles zu verhindern. Mein Vater übernahm 1889 den Bezirk Radmannsdorf als Bezirkshauptmann mit 11 Gemeinden von 19, die noch deutsche Amtssprache hatten und übergab die gleiche Zahl Ende 1900. Unter seinem Nachfolger waren binnen Jahresfrist alle Gemeinden bis auf eine, die heute zu Italien gehört, slowenisch. Trotzdem haben die slowenischen Soldaten im Weltkrieg mehr als bloss ihre Pflicht getan, sowohl gegen Russland, die slawischen Brüder, wie gegen Italien. Und wenn ich mir an der Spitze einer slowenischen Batterie die für einen bescheidenen Reserveoberleutnant ziemlich höchst erreichbare Kriegsauszeichnung erworben habe, so sind mit dieser auch alle meine slowenische Kanoniere ausgezeichnet worden. Da gab es keinen Verräter wie bei den Tschechen oder Polen, wo ganze Regimenter übergegangen sind.

Seit Jahrzehnten haben unverantwortliche Elemente auch hier die Bevölkerung gegen alles, was Deutsch ist, aufgehetzt. Frankreich und England, alle anderen Gegner, schürten die Stimmung, bestärkten das Volk, dass diese handvoll Menschen - in Europa gibt es 1,300.000 bis 1,500.000 Slowenen - in der europä-ischen Politik entscheidend mitzureden habe. 1918 zerbrach die Monarchie, sie liess die Spuren deutscher Kultur im Lande Krain zurück, der deutsche Mensch, dessen Blut doch zu 50, 60 oder mehr Prozent in den Einwohnern pulsierte, war politisch und national erledigt. Der verhetzte Krainer Slowene wollte über die Karawanken greifen, aber der Kärntner Deutsche, wertvollst unterstützt von heimattreuen Windischen, verteidigte seine Scholle. Ich bin stolz, damals dabeigewesen zu sein, wenngleich ich selbst um meine in Krain lebenden Verwandten die Rache der Slowenen reichlich zu spüren bekam. Bis zum Jahre 1926 war ich verbannt und konnte den heimatlichen Boden nicht betreten. Aber schon als ich im Sommer 1926 erstmalig wieder daheim war, spürte ich, dass die Stimmung im Volke nicht so war, wie sie uns über die Karawanken herüber als Stimmung aller Krainer von der Abstimmung her in übelster Erinnerung gewesen war! »Zakaj niste naredili, da mi smo tudi k Vam prisli !« »Warum haben sie es damals nicht so gemacht, dass auch wir zu Euch herüber gekommen sind?« So fragten mich die alten Bauern und das zu einer Zeit, da der Führer noch keine Anziehungskraft ausüben konnte. Wohl wurde der Ton der Presse, die Reden der Politiker immer noch so gehalten, wie nach dem Umsturz 1918, aber ohne Resonanz in der ruhig arbeitenden Bevölkerung, die nur den Aufschwung des Reiches sah und sich gleiches wünschte. Erschwerend war, dass indessen das Deutsche aus den Schulen verbannt, erst vor wenigen Jahren in verringertem Masse wieder eingeführt worden war, also der Jugend die Kenntnis der deutschen Sprache fehlte, die noch die Alten hatten. In den Tagen unseres Kampfes in der Ostmark hatten wir die Symphathien und die werktätige Hilfe des überwiegenden Teiles der Bevölkerung vielleicht nicht aller Politiker und einer gewissen dünnen Schicht von Intelligenz. Ich weiss, wie auch hier die Sehnsucht stieg, auch wenn sie aus Furcht vor den Folgen nicht geäussert wurde, wenn auch die, die es noch konnten, sich fürchteten, deutsch zu sprechen, wie sie zum Führer sich hingezogen fühlten, und wie genug sie von Serbien und dem Balkan hatten. Denn dieses Volk hier ist nicht Balkan, es ist aber auch nicht ein zweites Polen oder sonst ein kulturloses Land. Ich habe insbesonders den Oberkrainer im Auge, den Angehörigen des ruhmbedeckten Hausregiments 17-er, die zum Eisernen Korps gehörten, das bekanntlich nebst dem Edelweisskorps das beste in der Armee war und sich vor keinem reichsdeutschen Regimente zu schämen brauchte. Ich spreche die Sprache des Landes, nicht das künstliche hochslowenisch, sondern den Dialekt des Bauern und des kleinen Mannes in Oberkrain. Ich weiss, wie der Mann denkt, ich kenne seine guten und schlechten Eigenschaften. Wer jetzt seit der Angliederung aus dem Reiche hergekommen ist und nur offene Augen hatte und gesehen hat, wie diese Dörfer und kleinen Städte und Märkte aussehen, deutsch in der Anlage und im Charakter, von peinlichster Sauberkeit, die Felder mustergültig bestellt, die Menschen gross, stark, weissblond und blauäugig, intelligent und arbeitsam und auch charakterlich um so besser, je mehr - dem Eigner vielleicht unbewusst - deutsches Blut in seinen Adern pulst. Die Charakterfestigkeit zeigt sich oft darin, dass der Mann - wie wohl er klüger täte anders zu reden - auf die Frage der Musterungs-Kommission ob er sich zum Deutschen bekenne, offen mit nein antwortet, er sei Slowene! Wie erbärmlich sind diese Leute, aus der Erde hervorschiessenden »auch Volksdeutsche« die noch Ende März ahnungslos darüber waren, wie gute Deutsche sie heute sein würden.

Als unsere Truppen als Befreier einzogen, wurden sie mit Jubel empfangen.[2] Bis auf einige verschwindend wenige waren alle über die Lösung glücklich. Wohl schmerzte die Teilung des alten, eine Einheit bildenden Landes, aber hier fühlte man sich unter deutschem Schutze. Dies trotzdem - wie die Berichte des deutschen Konsuls in Laibach erhärtet haben - in Laibach und Belgrad eine wüste Hetze gegen das Reich und den Führer eingesetzt hatte und wie wohl die offiziellen Kreise in Laibach unsere erbittersten Feinde waren. Wenn amtliche Stellen in Laibach so schreiben und reden, so müssen amtliche deutsche Stellen entsprechend berichten. Leider fehlt aber solcher Ermittlung der offiziellen Stimmung der Kontakt mit dem Volke, den nur der haben kann, der seine Sprache spricht, der hier seine Jugend verbracht hat und die Mentalität des Landes kennt. Ich kannte sie vor dem Weltkriege, im Kriege und nachher bis zum Vorjahr und war über die Stimmung der letzten Monate genau unterrichtet. Ich kann heute an meinem Urteile nichts ändern.

Beim Einmarsch unserer Truppen war der weitüberwiegende Teil der Bevölkerung unbedingt für uns und entschlossen, in unserer Gemeinschaft aufzugehen. Die Person des Führers, die Haltung unserer Armee waren von hinreissender Wirkung! Bei den slowenischen Soldaten war kein Wille, gegen uns zu kämpfen. Wenn sie gewollt hätten, wie 1914-1918 - wäre unsererseits manches Opfer gefordert worden. Wenn ich heute gefragt werde, kann ich im Bewusstsein der Verantwortung offen sagen: Jetzt ist eine Stimmung gegen uns da, die Serbien in 23 Jahren nicht hat erzeugen können. Wir haben sie in knapp 2 Monaten geschafft![3]

Ich weiss, was ich sage, ich trage die Verantwortung und bin bereit, mich vor wem immer zu rechtfertigen. Ich bin es aber auch der deutschen Sache, ich bin es dem Führer schuldig, die Zivilkurage aufzubringen, zu reden, wenn ich sehe, dass bei uns Fehler gemacht werden. Ich muss ja innerlich geradezu darüber lachen, dass ich, der »ogrizen Nemèur«, »der trd Nemec« und wie anders noch mich die Slowenen schon vor 35 Jahren genannt haben, nunmehr der Anwalt meiner früheren Todfeinde werde. Ich bin nicht Anwalt der Slowenen, sondern Anwalt der Ehre des Deutschtums und unserer Bewegung. Ich will keinen jener, die dazu beigetragen haben, dass ein Fehler nach dem anderen gemacht wurde, persönlich des bösen Willens oder eigennütziger Absichten bezichtigen, es ist, wie ich schon gesagt habe, ein Verhängnis, dass angesichts der Grösse der Tagesfragen, dieser herrliche Erdenwinkel, der trotz Krieg und Not heute schon eine Insel der Seligen sein könnte, so unbedeutend ist, dass aus rein technischen Gründen sich die massgebenden Stellen mit dem Problem Krain nicht befassen können, weil es wichtigeres gibt. Und dennoch ist es wichtig, auch hier nicht einen politischen Infektionsherd entstehen zu lassen, der für den internationalen Gegner und gegen uns arbeitet. Ich stelle voran, dass ich über die Frage, warum das Land geteilt wurde, warum damit die Möglichkeit gegeben ist, dass sich alle Hetzer, die man bei Besetzung des Landes mit einem Schlage hätte unschädlich machen können, ungestraft, ja von den Achsenpartnern mehr oder minder offen gefördert in Laibach versammeln - und wie die Ereignisse von heute beweisen - die wüsteste Hetze betreiben können -, dass ich diese Frage nicht erörtere, weil ich nicht Einblick in Gründe höherer Art haben kann. Enttäuschend wäre nur der Gedanke, dass etwa die Furcht, mit einer Stadt von 60 - 70.000 Slowenen nicht fertig zu werden oder eine wirtschaftliche Konkurrenz sich zu schaffen, von Graz oder Klagenfurt ausgegangen sein könnte, denn es stehen die paar Slowenen nicht den kleinen Gauen gegenüber, sondern der ganzen Macht des 80 Millionen Volkes. Dieses Land soll und muss wieder deutsch werden, dass ist der Befehl des Führers, den umzubiegen Hochverrat wäre. Wenn hier ein rassisch, wirtschaftlich und kulturell niederstehendes Volk wohnen würde, das aus den reichen Schätzen, mit der die Natur diesen Landstrich gesegnet hat, nichts zu machen verstanden hätte, würde ich allfällig sentimentale Regungen mit Härte unterdrücken und rückhaltslos für lückenlose Aus- oder Umsiedlung eintreten. Ich habe Erfahrungen aus Polen, ich komme aus 8 monatlicher Verwendung in der Verwaltung in Frankreich, ich habe mich hier in die Heimat gemeldet, um hier auf bescheidenstem Posten mitzuhelfen zum Wohle des Landes, das mit dem Wohle des Reiches gleichlaufende Interessen hat. Hier leben keine degenerierten Polen, keine Bevölkerung politisch ermü-deter Franzosen, die auf meilenweite Striche ihr Land unbebaut lassen, weil sie ja aus den Kolonien den Ertrag ohne Arbeit billiger erzielen konnten. Hier ist kein Schmutz, wie er mit Ausnahme einiger Strassen der Hauptstadt und einiger Luxuskurorte in ganz Frankreich anzutreffen ist, von Polen zu schweigen. An der Werkarbeit des Handwerkers und der Tüchtigkeit des Bauern kann mancher Deutsche erheblich lernen. Und wenn ich im besonderen vom Oberkrainer spreche, so weise ich darauf hin, dass auch die Landschaft, die wir als wesentlich charakterbildend erkannt haben, auf den Oberkrainer nicht ohne Einfluss - Einfluss im besten Sinne - geblieben ist.

Darf ich auf unseren deutschen Dichter Baumbach verweisen, der in seinem »Zlatorog«, dem König der Julischen Alpen, und seinen Bewohnern ein unsterbliches Denkmal gesetzt hat. In diesen gehetzten Tagen, wo Weltgeschichte gemacht wird, waren die Kenner dieses Gebietes noch fern der Heimat. Mancher Kärntner, der den bösen Krainer nur im Lichte seiner Hetzer kannte und mit diesen verhältnismässig wenigen das ganze Volk indentifizieren wollte, hat sich auch ein schiefes Bild gemacht und so ist es erklärlich, dass die Männer, die zu entscheiden haben, nicht richtig unterrichtet wurden, daher Anordnungen trafen, nach Vorbildern, die anderwärts ganz zutreffend waren, ohne infolge der gigantischen Ereignisse der Tage die Möglichkeit zu haben, sei es durch eigene Wahrnehmung, sei es durch Anhörung auch anderer Auskunftspersonen die Entscheidungen zu treffen, die sie bei richtiger Kenntnis unfehlbar getroffen hätten. Und das Gesetz, das der Partei zum Siege geholfen hat, das die Durchsetzung der Entscheidungen bis ins letzte hinab gewährleistet hat, wird in diesem Falle zum Bumerang und trifft das eigene Leben. Ich übertreibe nicht! Befehl ist Befehl, das ist das eiserne Gesetz, das namentlich den SS Führer beherrscht, er hat nicht zu prüfen, sondern den Befehl auszuführen. Und nun erleben wir das tragische Schauspiel, dass ein Apparat m`it deutscher Gründlichkeit abläuft wie er befohlen war und weiterläuft, bis der präzise Befehl kommt, anders zu verfahren. Aber der Befehl kommt nicht. Ich will mich nicht zum Richter über Verhältnisse in Untersteiermark aufschwingen, obwohl ich auch dort Bescheid weiss und zu einem Viertel aus dem Untersteierischen abstamme, ja dort Besitz habe, dort liegen die Verhältnisse ein wenig anders. Ich rede von Kram, meiner engsten Heimat. Als die Anordnungen wegen der Aussiedlung der untragbaren Elemente geschaffen wurden, ging man von der Annahme aus, dass mindestens 20 oder 25 oder mehr von Hundert als rassisch minderwertig in Frage kämen.[4] Daher wurden auch die Ziffern in einer entsprechenden absoluten Höhe angesetzt. Die Musterungen der Kommissionen ergaben aber, zur Verwunderung deren Mitglieder selbst, ein ausserordentlich geringes negatives Ausleseergebnis. Offenbar hat man für viel mehr Menschen vorgesorgt, die auf den ersten Anhieb, mit der ersten Welle hätten entfernt werden sollen. So musste man vor Abschluss der ersten Aktion im letzten Augenblick noch eine Menge Leute herausgreifen und jäh abtransportieren, die schon beruhigt waren und mit dem Verbleib rechneten. So wurde unter anderem der einzige Arzt und der einzige Apotheker des Sitzes des Chefs der Zivilverwaltung festgenommen. Die Bevölkerung hat panischer Schrecken ergriffen. Kein Mensch traut sich auf die Strasse, die Leute schlafen ausser Haus, um nicht ergriffen zu werden. Die Arbeit steht still, sogar die in den deutschen Dienststellen. Wer das Glück hat, einen verantwortlichen Funktionär zu treffen, der befugt ist, die Anordnung zu stoppen, kann frei gehen oder er ist zufällig in einem Betrieb, in dem er vom Arbeitgeber, der sich durchzusetzen versteht, »freigestellt« wird! Ein Vorgang, der im Einzelfalle zweckmässig, ja notwendig ist, jedenfalls aber keine »Linie« in sich hat. Die mit der Aktion Beauftragten werden selbst an sich irre, sie fühlen den Widerstreit zwischen dem Befehl, der sie bindet und dem eigenen Empfinden, ja mehr noch, dem eigenen Urteil über die Folgen! Die Stimmung im Volke überträgt sich auf den Stab des C. d. Z. Ich spreche im Namen der überwiegenden Mehrheit meiner Kameraden, die, wie ich, das Gefühl haben, dass das Volk hier falsch beurteilt und daher falsch behandelt wird und dass der Geschädigte die Volksgemeinschaft ist. Wenn wir alle nicht so gute Nationalsozialisten der Tat wären, wenn wir alle nicht Verständnis für das Volksempfinden hätten, so würden wir nicht darunter leiden, aber wir sind ja keine Schuschniggknechte mehr sondern volksverbundene Beamte und fühlen mit den Volksgenossen, die noch nicht Deutsche sind, aber am besten Wege wären, es zu werden, wenn nicht ein trauriges Missverständnis sie daran hindern würde! Ich spreche nicht von den paar wirklich schuldigen Hetzern, die man nicht genug strafen müsste - /wenn man sie hätte/ - und wenn nicht gerade diese Leute in Laibach im »Vierzehnerausschuss« neben dem Alto Commissario sässen.[5] Aber auch der Gauleiter, der den erhaltenen Befehl ausführt, - insoferne er überhaupt auf den befohlenen Vorgang eingestellte Maschine noch Einfluss hat - ist innerlich nicht vollkommen zufrieden, auch wenn es ihm besonders schwer fallen muss, abändernde Anträge zu stellen.

Und zum Schluss noch eines: Der Einfluss der katholischen Geistlichen auf das Volk war hier besonders gross. Er muss ausgemerzt werden, zumal er sich ja nicht auf den seelsorgerischen Teil, sondern auf den politischen Einfluss erstreckt hat. Aber das Volk ist tief religiös. Man kann es nicht ohne diese geistigen Stützen lassen, zumal wir ihm ja derzeit nichts bieten können, weder innerlich - bis vor wenigen Tagen hatten wir keine Zeitung, die das Volk verstanden hat[6] - noch äusserlich, keine Namensgebung, keine erhebende standesamtliche Trauung, keine Totenfeier. Dass die Klöster aufgehoben wurden, ist zu begrüssen, dass die Hetzpfaffen entfernt wurden, ist selbstverständlich. Ich hätte gedacht, dass z. B. als Richtlinie zu gelten gehabt hätte, dass jeder Geistliche unter 50 Jahren grundsätzlich als politisch untragbar bezeichnet worden wäre. Den Rest hätte man sieben und auch hier die bekannten Hetzer abberufen sollen. Wären auf diese Weise nur 20 oder gar nur 10 von Hundert geblieben, hätte man der Bevölkerung ruhig sagen können, wie schlecht eure, Geistigen waren, nur ganz wenige konnten wir lassen. Aber ein paar ganz alte Priester oder - es gibt auch hier weisse Raben unter den Schwarzen! - solche die sich wirklich nie um Politik gekümmert hatten, die wären geblieben und man hätte dem Volke hier nicht die Waffe gegen uns in die Hand gegeben, dass wir gegen die Religion als solche sind! Das war politisch falsch und auch sonst unklug! Man soll die katholische Kirche nicht in die Katakomben zwingen! Das tut man hier! Ein Fall, für den ich einstehe, ist besonders krass gewesen. In Ratschach, knapp an der italienischen Grenze, versah ein 90 jähriger Pfarrer bis zum 1939 den Seelsorgedienst. Die Pfarre, die durch den Friedensvertrag fast das ganze Gebiet an Italien verloren hatte, ist so arm, dass nur ein wirklicher Priester, buchstäblich um Gottes Lohn, den Posten annimmt. Darum war dieser Mann, der ein Gelehrter und Heimatforscher nie aber Politiker war, solange im Dienste, weil sich kein Nachfolger fand. Bis 1939, dann zog er sich in ein eigenes Häuschen, am Fusse der Berge erbaut, zurück. Der Mann war immer deutschfreundlich als meine Familie wegen meiner Betätigung in Kärnten in Acht und Bann war, fanden wir in seinem Sprengel im Sommer Zuflucht in der alten Heimat, überall sonst wären wir nicht geduldet worden. Er lieh von uns deutsche Bücher, hielt bei der goldenen Hochzeit meiner Eltern eine deutsche Ansprache, das war Mut! Er war der einzige Priester der Erzdiözese Laibach, der trotz weltlichen und kirchlichen Verbotes den Kärntnern, die zum Ahnennachweis Matrikelauszüge aus Ratschach benötigte, diese in deutscher

Sprache ausstellte. Und dieser Mann wurde vor Monatenfrist abgeholt, mit 90 Jahren auf ein Motorrad gesetzt und ins Amtsgericht gebracht, von wo er Tage darauf in ein Siechenhaus kam. Wer, wie ich, an den Bergen hängt, versteht, was es heisst, mit 90 Jahren aus der Bergheimat vertrieben zu werden. Ja, wir müssen hart sein, aber wir Deutschen werden dabei grausam niemals sein, das lassen wir den Bolschewisten und Polen!

Wir müssen mit den Leuten hier reden! Woher sollen sie wissen, was wir wollen, welchen Weg wir sie führen wollen. Voll Vertrauen haben sie sich jetzt uns anvertraut. Bei vielen war dieses Vertrauen schon früher da, bei manchen reifte die Erkenntnis in den letzten Jahren oder Tagen. Sollen wir alle jene aufnehmen, bei denen diese Gefühle echt sind oder die den Willen haben, deutsch zu werden? So manch einer von denen, auch wenn er gestern Gegner war, ist mir lieber als diese »Auchvolksdeutschen«, die ein Gegenstück zu den von uns so verachteteten »Ganz geheimen Parteigenossen« waren, die ihr nach dem Umbruch zu Tage getretenes nationales Empfinden so geschickt getarnt hatten, dass sie es selbst nicht gewusst hatten und uns dann belehren wollten, was eigentlich wahrer Nationalsozialismus sei!

Noch ist es Zeit - allerdings sehr hohe Zeit - gutzumachen was durch eine unglückliche Verkettung von Ereignissen, Missverständnissen und Unwissenheit verdorben worden ist. Ich habe frei gesprochen, mir wurde die ehrende Anerkennung zu teil, dass im Erinnerungsbuche über das historische »Soldatentreffen in Wels 1937«, das erste Signal zum Aufbruch der Ostmark, mein Bild in Offiziersuniform mit der zum deutschen Gruss erhobenen Hand unter der Überschrift »ohne Namensnennung« /»Beamte der Zivilcourage«/ gebracht wurde. Ich meckere nie, aber ich habe meine Zivilcourage 1937 auch heute und stehe für sie ein, auch wenn schweigen bequemer sein sollte. Wenn ich aber geirrt haben sollte so bitte ich zumindest den Beweis erbringen zu dürfen, dass auch meine soldatische Courage seit 1914 nicht nachgelassen hat und dass ich wie damals auch heute einsatzbereit bin und die Neige meiner Tage für Volk und Führer gerne gebe, wenn ich dadurch der Sache nützen, nebenbei aber vielleicht junges, noch wertvolles Blut schonen könnte.

Heil Hitler!

Dr. Oskar von Kaltenegger
Regierungsdirektor
S. A. Sturmbannführer t. V.
Hauptmann i. d. Res. a. D.
derzeit zugeteilt dem C. d. Z. in
Veldes.

Nachtrag.

Noch etwas ist hinzuzufügen. Es werden Aussiedlungen gewiss nicht zu vermeiden sein. Wer wirklich führend war, wer nachweislich gehässig gegen Volksdeutsche gewesen ist, wer mit einem Wort Mitschuldiger ist an der Vergiftung des ehedem so guten Verhältnisses zwischen den deutschen und slowenischen Krainern, der soll die Folgen mit aller Schwere tragen, dem soll man alles nehmen, der soll weg, auch wenn er für eine Dienststelle »unentbehrlich« oder - das ist wesentlich - auch wenn er reich und vermögend ist, also wirtschaftliche oder gesellschaftliche Beziehungen zum Reiche hat, die er nun mit Erfolg ausspielt! Wer aber ausgesiedelt wird, weil er im Zuge einer Reihenuntersuchung als rassisch minder entsprechend befunden wurde oder weil sein Hof von einem deutschen Bauern dringend gebraucht wird, wenn ihm ausser seinem Volkstum nichts angelastet werden kann als dass er eben sich bis zur Stunde zu seinem früheren Staate und dessen Volkstum bekannt hat, dem soll das Reich nicht noch als einziges Reisegepäck den bodenlosen Hass mitgeben, den er wegen Wegnahme seines Hab und Gutes in sich aufspeichert! Aus Transportgründen kann man nicht die ganze Fahrhabe des Ausgesiedelten mitgeben, aber auf ein oder zwei Gepäckstücke mehr oder weniger kommt es nicht an. Über das, was er zurücklassen muss, soll er - soferne es Fahrhabe ist - frei verfügen können, oder es soll ihm zu einem bürgerlichen Preis abgelöst werden. Und für den Grund und Boden soll er auch etwas erhalten, das grosse deutsche Reich braucht, sich an dem Besitz dieser Menschen nicht zu bereichern, das haben wir nicht nötig. Es muss ja nicht sofort in bar eine Entschädigung ausgezahlt werden, aber sie soll grundsätzlich zugesichert werden. Wenn Fälle sich wiederholen sollten, dass einem zur Aussiedlung Bestimmten, der aber dennoch hier blieb, die Lebensmittel, die er mitgenommen hatte, »abhanden« kamen und nicht ersetzt wurden, so sind das mehr als »Spritzer« am Ehrenkleide, das jene tragen, die mit der Aussiedlung befasst werden, dies ist Schande für alle Deutsche!

Trotzdem scheue ich mich nicht, am Schlusse offen auszusprechen, dass hier aus Gründen, die ich deutlich herausgestellt habe, in diesem herrlichen Lande, vorhandene Kräfte, die von fester, aber fürsorglicher Hand gesteuert, eine wertvolle Bereicherung des deutschen Raumes bedeutet hätten, ohne die Folgen zu bedenken, zerstört und unwirksam gemacht worden sind und - wenn auch vielleicht eine gewaltsame Entladung in unserem Gebiet derzeit noch nicht zu befürchten ist - auf slowenischem Boden ausserhalb unseres Machtbereiches Erscheinungen auslösen werden, ja schon ausgelöst haben, die letzten Endes über die lokale Bedeutung hinaus, das innere Verhältnis der Achse berühren! Wenngleich ich mir vor Augen halte, dass der Führer das Grossdeutsche Reich und den grossdeutschen Raum schaffen will, während der Duce ein Imperium führt, so müsste die Behandlung eines durch Jahrhunderte eine Einheit bildenden, heute geteilten Raumes doch einigermassen in Einklang gebracht werden.

Die Umsiedlung gehört auch zur Verwaltung. Sie ist sogar ein Zweig derselben, der mehr Verständnis für Menschen und Menschenwerte voraussetzt, als etwa nur die kalte Berechnung einer Brückenkonstruktion oder die Ausgleichung eines Gemeindehaushaltes. Dieses Verständnis setzt Erfahrung voraus! Ich bewundere den Idealismus, mit dem die jungen Kameraden vom SD sich ihrem Werke widmen, ich bewundere ihre Härte, mit der sie - oft gegen die auch bei ihnen aufkommenden Gefühle - die Befehle widerspruchslos erfüllen, doch vermisse ich in dieser Härte das heldische, das wir alte Kriegssoldaten nicht in siegreichen BIitzfeldzügen, sondern in hoffnungslosem Ausharren im Trommelfeuer durch 4 Jahre uns angeeignet haben! Um die Scherben des slowenischserbischen nationalen Kitsches ist nicht Schade, aber es ist auch gutes edles Porzellan zerschlagen worden, nicht aus Bosheit, aber es fehlten die Kenner: Möge man Kenner rufen, um zu leimen, was noch zu leimen ist

Zweiter Nachtrag, geschrieben am 11. August 1941.

In der Nacht vom 27. auf den 28. Juli d. J. sind in Krain grössere Unruhen ausgebrochen, die von Kommunisten angezettelt wurden. Ich bezweifle, dass die Elemente, die sich in den Wäldern herumtreiben, Kommunisten im geläufigen Sinne sind. Kommunistische Arbeiter gab es wenige, selbst wenn sie als solche organisiert gewesen sein mögen, so waren sie mit ihrer Lebensführung und durch die Verbundenheit mit der Scholle, im Grunde kleinbürgerlich. Tatsache ist aber, dass viele, die sicherlich nie Kommunisten waren, aus Angst vor der Aussiedlung, ihre Heimstätten verlassen und sich in den Wäldern herumgetrieben haben. So wurden sie, ohne Vorsatz dazu, Bundesgenossen der Kommunisten und mussten nun deren Schicksal teilen. Nun rächt sich, dass keine Geistlichen im Lande tätig sind, diese hätte man verantwortlich, ja als Geiseln sicherstellen können. Ich bin überzeugt, dass wenn die Bevölkerung wüsste, dass eine Aussiedlung nur als Strafmassnahme für widersetzliches Verhalten vollzogen werden wird, sofort eine Beruhigung eintreten würde.

1
AIZDG, RPA Kärnten-Zweigstelle Veldes, Bd. 3; Mf. aus NAW, T-77, Aufn. 969612-7, (7S.). Der Verfasser dieser Denkschrift Dr. Oskar von Kaltenegger war für einige Monate nach der deutschen Besetzung Sloweniens Berater des Chefs der Zivilverwaltung und der Beauftragte für die Einziehung staatsfeindlichen Vermögens im Stabe des Chefs der Zivilverwaltung in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains. Seine Denkschrift sandte er auch an Göring und Himmler. Nach seinem Auftreten für die Slowenen wurde er zum Wehrdienst einberufen.
2
Der Verfasser übertreibt die Stimmung der Bevölkerung beim Einrücken der deutschen Wehrmacht wohl deshalb, um dem Gegensatz zu der Lage im Sommer herauszustreichen
3
Vgl. mit dem Dok. Nr. 218.
4
Siehe Dok. Nr. 71, 91, 176 u. 177.
5
Der Verfasser meint den Beirat (Konsulta) des Hohen Kommissars für die Laibacher Provinz Emilio Grazioli in Ljubljana, ernannt mit dem Dekret von Mussolini vom 27. Mai 1941.
6
Am 5. 7. 1941 begann der deutsche Okkupator in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains mit der Herausgabe des in slowenischer Sprache erscheinenden Wochenblattes »Karawanken Bote«, als amtliches Organ des Kärntner Volksbundes und Mitteilungsblatt des Chefs der Zivilverwaltung.

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